Archiv der Kategorie: Allgemein

Donnerstag, 24.01.2019: MIRIAM SCHAPTKE: Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur. Eine Alternative für die Frauen in der DDR

Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur wurde vor allem von gebildeten Frauen mittleren Alters gelesen. Sie erschien in geringer Auflage und galt in der Zeitschriftenlandschaft der DDR als Alternativmedium. Wie wurde sie durch die Partei kontrolliert und gelenkt? Und wie lässt sie sich politisch verstehen? Schwerpunkt des Vortrags werden die in der Sybille seit 1966 und bis 1989 erschienenen Frauenporträts in ihrer Beziehung zum »offiziellen« Frauenleitbild der Partei sein.

Miriam Schaptke hat in Bamberg Geschichte und Politik im Bachelor studiert. Ihr weiterer Werdegang ist derzeit noch ungewiss.

Donnerstag, 13.12.2018: ANNA SEIDEL: Popfeminismus und Kritik – Beyoncés Herstory, Marketplace Feminism und warum es kompliziert bleibt

PeterLicht sang 2008 »Es gibt keinen wahren Po im Falschen«, womit er das Dilemma des Pop-Fans auf den Punkt brachte. Mit dem Begehren am und im Pop, der ja Teil der kapitalistischen Verwertung ist, verhält es sich schwierig. Und selbst da, wo Pop und Feminismus zusammengehen, ergeben sich Ambivalenzen. Pop, der einmal für Dissidenz und Revolte stand, ist heute Teil einer patriarchalen Hegemonie geworden, deren Verwertungslogik er folgt. Der kritische Blick aus seinem Inneren heraus ist daher problematisch. Und doch sollte das emanzipatorische Potenzial der Popkultur auch weiterhin nicht unterschätzt werden: Wenn Beyoncé, die ihre Songs selbst schreibt und produziert, als woman of colour selbstbestimmt von Sex, Gleichberechtigung und Mutterschaft singt und in selbstproduzierten Handy-Videos mit dem Mythos der Pop-Marionette aufräumt, lässt sich sagen: Hier schwingt genau die Richtige ihren Po im Pop.

Anna Seidel ist Literaturwissenschaftlerin in Münster. Sie forscht und lehrt zu Popkultur und Feminismen, schreibt als freie Autorin u. a. für das Missy Magazine, die an.schläge und die Jungle World und ist Mitherausgeberin der testcard.

Donnerstag, 29.11.2018: ROBERT SOMMER: »Sex-Zwangsarbeit« – Bordelle in NS-Konzentrationslagern

1941 befahl Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Oberbefehlshaber über die NS-Konzentrationslager, die Errichtung von Bordellen für KZ-Häftlinge. Die Konzentrationslager waren nicht nur Orte des Terrors und des Massenmordes, sondern ebenso Stätten der Zwangsarbeit. Die SS hatte ein gewaltiges Wirtschaftsimperium aufgebaut. Zwangsarbeit war das Rückgrat dieser Wirtschaft. Allerdings fiel die Produktivität angesichts der katastrophalen Lebensbedingungen und der permanenten Gewalt gering aus. Himmler wollte daher Anreize für die Häftlinge schaffen und ließ Lagerbordelle errichten. Bis zum Ende des Krieges eröffnete die SS in insgesamt zehn KZs Bordelle: in Mauthausen, Gusen, Flossenbürg, Auschwitz-Stammlager, Buchenwald, Auschwitz-Monowitz, Dachau, Neuengamme, Sachsenhausen und Mittelbau-Dora.

Dr. Robert Sommer hat 10 Jahre lang das Thema »Sex-Zwangsarbeit« umfangreich untersucht, in allen relevanten Archiven recherchiert sowie Interviews mit Überlebenden führen können. Er ist freier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen. Derzeit arbeitet er als Ausstellungsmacher und freier Autor.

Donnerstag, 22.11.2018: JENS OHLIG: Dateneigentum, Urheberrecht und Wissensallmende: Meine Daten gehören mir?

Politik braucht Metaphern. Dass Daten »das neue Öl« sein sollen, hat in der Digitalpolitik die »Datenautobahn« der 1990er abgelöst. Daten sind wertvoller Rohstoff, der in einen Verwertungszusammenhang gebracht werden muss. Selbstfahrende Autos, smarte Heizungen oder Plattformen für soziale Medien – alle sammeln Daten, die sich irgendwie verwerten lassen müssen und die doch auch irgendwem gehören sollen. Aber was ist mit den nicht-personenbezogenen Daten, die dem ständig wachsenden Strom an Messpunkten entstammen, mit dem die Welt gerade neu entdeckt und verstanden wird? Sie unterliegen nicht dem Datenschutz und stellen damit einen Präzedenzfall dar, an dem Urheberrecht, immaterielle Güter und der Anspruch auf freies Wissen für alle neu verhandelt werden können. Vielleicht lautet die Antwort auf die Frage, wem Daten gehören: Uns allen. Und vielleicht sind sie ja gar kein Öl, sondern »das neue Grundwasser«, das alle gemeinsam nutzen.

Jens Ohlig lebt im Internet und Berlin. Beruflich (bei Wikimedia Deutschland) und privat beschäftigt er sich mit Daten und Freiem Wissen. Er hofft darauf, dass am Ende doch noch alles gut wird.

 

 

Donnerstag, 15.11.2018: Eike Sanders: Die “Lebensschutz”-Bewegung.

Die »Lebensschutz«-Bewegung ist endlich wieder im öffentlichen Problembewusstsein angekommen: Die Verurteilung einer Ärztin wegen Verstoß gegen den §219a (»Werbeverbot«) und die offizielle Feststellung, dass die Zahl der Ärzt*innen, die Abtreibungen anbieten, um 40% gesunken ist, zeigen wie faul der gesellschaftliche Kompromiss um das Abtreibungsgesetz schon immer war. Die »Lebensschutz«-Bewegung möchte allerdings nicht nur die Zugänge zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren. Sie führt auch einen Kulturkampf zur Retraditionalisierung der Geschlechter- und Familienverhältnisse, um christliche Moral und das ärztliche Gewissen. Damit ist sie Teil eines konservativen bis extrem rechten, in Teilen antidemokratischen Aufschwungs. In Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der ›Lebensschutz‹-Bewegung (Verbrecher Verlag 2018) analysieren Eike Sanders, Kirsten Achtelik und Ulli Jentsch die »Lebensschutz«-Bewegung, ihre Stärken, ihre Schwächen und ihre internen Widersprüche und sie liefern das Material für eine kritische Auseinandersetzung mit den »Lebensschützern« – als Grundlage für den nötigen Widerstand.

Eike Sanders arbeitet am Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin apabiz e.V zum Thema extreme Rechte und Gender mit den Schwerpunkten »Lebensschutz«-Bewegung, Antifeminismus und Rechtsterrorismus. Sie ist außerdem Mitglied im Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus. Zuletzt hat sie in der freien uni zur Rolle von Frauen im NSU-Netzwerk gesprochen.

Donnerstag, 08.11.2018: NOEMI GÖLTENBOTH: Regretting Motherhood und Postmaternal Thinking – Lässt sich Elternschaft feministisch denken?

Angesichts der zunehmenden Vereinnahmung von »Familienthemen« durch konservative Gruppen scheint eine feministische Auseinandersetzung mit Elternschaft aktueller denn je. Regretting Motherhood erlebt seit ein paar Jahren einen Boom in den sozialen Netzwerken und Sozialwissenschaften. Der Begriff geht zurück auf die Soziologin Orna Donath, die Frauen befragt hat, die es bereuen, Mutter geworden zu sein. Was viele schockiert: Sie bereuen ihr Muttersein nicht primär aufgrund äußerer Umstände und sozio-ökonomischer Schwierigkeiten, sondern an und für sich. Die australische Soziologin Julie Stephens wiederum beschreibt unter dem Schlagwort »Postmaternal Thinking« die kulturelle Angst, sich öffentlich mit Mutterschaft auseinanderzusetzen. Sie ist symptomatisch für das neoliberale Denken. Elternschaft erfordert von denen, die sie ausüben, viel Zeit und Energie für Arbeit, die gesellschaftlich nur wenig Anerkennung findet, da sie keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen abwirft. Beide Ansätze greifen wichtige Aspekte von Elternschaft bzw. Muttersein auf und werden im Vortrag diskutiert.

Noemi Göltenboth studiert in Bamberg Psychologie, interessiert sich für feministische Theorie und ist im Gleichstellungsreferat tätig.

Donnerstag, 01.11.2018: Vernissage und Vortrag von Rudi Maier

Anlässlich der Vernissage wird Rudi Maier vor seinem Vortrag die Ausstellung eröffnen und einleiten. Es gibt Sekt.

Marx. Macht. Reklame.
Seit langem hat die Werbeindustrie die Zeichen und Symbole, die Ikonen und Parolen linker und alternativer Bewegungen für ihre Zwecke entdeckt: Che Guevara, Karl Marx und Rosa Luxemburg, erhobene Fäuste, rote Sterne, auffahrende Wasserwerfer – nichts aus dem Bedeutungs-Repertoire des Protests und der Gegenkultur, das nicht in Anzeigen oder Spots Verwendung fände. Der Kulturwissenschaftler Rudi Maier sammelt seit zwei Jahrzehnten derlei Artefakte. Fast 4.000 von 1967 bis heute befinden sich inzwischen in seinem Archiv. Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx in diesem Jahr hat er für die freie uni eine Auswahl zusammengestellt, um – frei nach Marx – den »Verhältnissen ihre eigene Melodie vorzusingen, um sie zum Tanzen zu bringen«.

Ab ca. 20:15 Uhr
Vortrag:
Samba si! Arbeit no! –
Arbeit als Thema im deutschen Schlager
Nicht erst seit Helene Fischer zeigt sich: Schlager sind Pop – und sie polarisieren, in Fans auf der einen, in Schlagerhasser_innen auf der anderen Seite. Zeit, das schwer zu definierende Genre einmal genauer auszuleuchten und klassentheoretisch einzuordnen. Was eignet sich dafür besser, als Schlager auf ihre Bezüge zur Arbeitswelt hin zu befragen? Der Vortrag stellt zahlreiche Beispiele vor und zur Diskussion und liefert damit einen Beitrag zur Diskussion um Klassismus im Pop.

Rudi Maier ist Kulturwissenschaftler und interessiert sich seit langem für unterschiedliche Spielarten der Popkultur in Musik, Werbung oder Arbeitswelt – stets verknüpft mit der Frage des Alltagslebens im kognitiven Kapitalismus. Zuletzt hat er in der freien uni als MC Orgelmüller Firmenhymnen vorgestellt und vorgesungen.