fub presents: Ein fub-Doppelspezial. Do/Fr 29./30. Januar 2015. DZUDZEK/EICHHORN. Gouvernementalitäten der Kreativen und Grünen

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Donnerstag, 29.01.2015
IRIS DZUDZEK:
Kreativpolitik zwischen Unternehmen und Unvernehmen
In den vergangenen Jahren ist Kreativität zum Leitbild vieler Städte und Teil der Reartikulation von städtischer Regierung geworden. Der Vortrag fragt nach den Machteffekten dieses Prozesses. Führt eine Regierung durch Kreativität zur endgültigen Hegemonialisierung unternehmerischer Stadtpolitik? Bedeutet sie den Ausverkauf von Sozialpolitik zugunsten von Kulturpolitik? Welche Formen des Unvernehmens lassen sich erkennen?

Iris Dzudzek ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Humangeographie in Frankfurt am Main. Sie hat zum Thema »Kreativpolitik« promoviert und interessiert sich für das Verhältnis von Kultur, Politik und Ökonomie aus der Perspektive der Gouvernementalitätsstudien, der Diskurs- und Hegemonietheorie und der politischen Philosophie.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Freitag, 30.01.2015
PHILIPP EICHHORN:
»Green New Deal«
Die Grüne Gouvernementalität des Kapitalismus
Als die Grünen vor einiger Zeit das Konzept eines »Green New Deal« für die neue Einheit von Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik vorstellten, war ihnen Spott nicht nur aus der marxistischen Ecke gewiss. Wer allerdings die letzten 40 Jahre Revue passieren lässt, kommt nicht umhin, ihnen eine avantgardistische Rolle zuzuschreiben. Auch jenseits von Energiewende, Corporate Social Responsibility und Kriegsführung-wegen-Auschwitz haben sie Trends losgetreten, die die kapitalistischen Eliten gerne aufgegriffen haben. Selbst im Umfeld der radikalen Linken erfreut sich diese Trends kritikloser Sympathie, obwohl sie ja eigentlich nur den verzweifelten Versuch darstellen, die Profitakkumulation aufrecht zu halten. Und oft liegt alldem ein ausgeprägter Sozialchauvinismus zugrunde. Mit welchem Überbau sich der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts präsentiert, was Dein Auslandsjahr in Südamerika, Diversity Management und A+++ Kühlschränke damit zu tun haben, und wo dabei überhaupt das Problem liegt, möchte der Vortrag erklären.

Philipp Eichhorn plädiert immer noch für den Hauptwiderspruch, würde auch gerne Weltreisen machen können und braucht dringend eine neue Spülmaschine. Er würde aus den letzten beiden kein politisches Programm machen. Aus dem ersten hingegen schon. Zuletzt hat er in der freien uni bamberg über die Soziale Marktwirtschaft gesprochen.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

fub presents: KATRIN RACKERSEDER Zur Exklusion von Geflüchteten als Nicht-bürger_innen und ihre Konsequenzen für die Soziale Arbeit

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Der soziale Ausschluss von Geflüchteten bedeutet ihren »bürgerlichen Tod«, soziale Isolation sowie eine Situation der Rechts- und Rollenlosigkeit. Der Vortrag wird zunächst auf den Begriff der Exklusion eingehen, wie er in der aktivierenden Sozialpolitik verwendet wird, die ihre Hauptaufgabe in der Aufrechterhaltung individueller Beschäftigungsfähigkeit sieht. Ihm soll ein kritischer Exklusionsbegriff entgegengesetzt werden. Um die Rolle der Staatsbürgerschaft für den gesellschaftlichen Ausschluss von Geflüchteten erläutern zu können, muss jedoch auch über den theoretischen Ursprung von Staatsbürgerrechten sowie die konkrete Staatsbürgerschaftspraxis in Deutschland gesprochen werden. Die diskriminierende Behandlung von Asylsuchenden, die sich bei den Protesten der letzten Jahre selbst als »Non-Citizens« bezeichnet haben, kann mit Goffmans Konzept der »totalen Institution« kritisiert werden, das eine umfassende staatliche Kontrolle charakterisiert. Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit bei alldem? Kann sie sich von dem Widerspruch befreien, der sich aus ihren staatlich vorgegebenen Zielen und ihrer „Menschenrechtsprofession“ ergibt?

Katrin Rackerseder hat gerade ihr Diplomstudium in Pädagogik abgeschlossen, um jetzt mit halbem Vollgas in die sozialpädagogische Praxis zu starten. Die verbleibende Energie will sie in Klettern und die Textarbeit mit anderen stecken.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei