Donnerstag, 21.07.2016: NIKO DEHDARIAN: Die bayerischen Abschiebelager und das solidarity4all-Protestcamp

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Seit mehr als einem halben Jahr hat es sich die bayerische Landesregierung zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge aus den Balkanstaaten möglichst schnell „rückzuführen“ und dafür zwei riesige Abschiebelager in Ingolstadt/Manching und Bamberg geschaffen. Angeblich handele es sich nur um sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“. Welche Schicksale die Menschen oft wirklich ereilen und wie perfide die Abschiebe- und Abschreckungspraxis in den Lagern ist, soll in dem Vortrag gezeigt werden.

Der Referent engagiert sich in der Bamberger Initiative „Solidarität mit den Geflüchteten vom Balkan“, die für eine humane Flüchtlingspolitik und eine Abschaffung der Abschiebelager eintritt. Als Teil eines überregionalen Bündnisses organisiert die Initiative das solidarity4all-Protestcamp mit. Der Vortrag soll auch dazu dienen eine Aussicht auf das Camp und die verschiedenen Aktionen zu geben.

Ort: Balthasar, Balthasargässchen 1
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei

Donnerstag, 14.07.2016 FRANK APUNKT SCHNEIDER: Indie-Hände-gespuckt … Zur Kritik der DIY-Ideologie

Unabhängige Labels – so genannte »Indies« – spielten eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Popmusik, nicht erst seit der Indie Sun Records Elvis Presley entdeckt hat. Im Unterschied zu den »Majors« sind sie mittelständische Unternehmen, die Nischenmärkte bedienen. In den späten 1970ern entstanden allerdings »Independentlabels«, die ihre Unabhängigkeit und das Prinzip der Selbstorganisation als politisches Statement und als Bestandteil einer politischen Gegenkultur verstanden wissen wollten. Für einen kurzen Moment ließ sich ästhetische Dissidenz mit politischer Kritik in eins setzen. Die Do-It-Yourself-Ästhetik von Punk und Post Punk haben zu einer weltweiten Explosion an »unabhängig« und »alternativ« produzierter Musik beigetragen. In den 1980ern entstand hieraus »Indie« als eigenes Musikgenre und »Unkommerzialität« als gefühlter, unklar definierter Wert. Sie bilden die Grundlage der DIY-Ideologie, der Medien als Ersatz für Politik dient und die das Bewusstsein für die Widersprüche des Kapitalismus (die zu thematisieren lange Zeit das wenn auch meist unbewusste politische Moment von Pop war) durch das Wellnessangebot harmonischer Widerspruchsfreiheit ersetzt hat. Damit haben die Indie- und die DIY-Szene in fataler Weise zur Entpolitisierung von Pop beigetragen.

Frank Apunkt Schneider ist unfreundlicher Plattenhändler, unfreier Autor, Mitherausgeber der Zeitschrift Testcard, Mitglied des Künstler_innenkollektivs monochrom und wirkt in der Freien Uni mit. Zuletzt hat er dort über Karen Carpenter gesprochen.

Ort: JUZ Bamberg (Margaretendamm 12a) (!)
Beginn: 19:00 (!)
Eintritt: frei

Donnerstag, 07.07.2016 LUKAS HOHENDORF / SOPHIA LÖSCHE: Der 8. Mai in Bamberg. Erinnerungskultur zwischen Befreiung und Niederlage

07 07 LÖSCHE HOHENDORF

Donnerstag, 07.07.2016
LUKAS HOHENDORF / SOPHIA LÖSCHE: Der 8. Mai in Bamberg
Erinnerungskultur zwischen Befreiung und Niederlage

Die Unterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht besiegelte am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation. In Frankreich oder Russland wird er als Gedenktag begangen. Auch in Deutschland war er mal gesetzlicher Feiertag – wenn auch nur in der DDR. Die Bundesrepublik haderte lange damit, den »Tag der Niederlage« zu begehen, um dessen Deutungshoheit noch immer gekämpft wird. Die Geschichte des 8. Mai ist die Geschichte der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Der Vortrag möchte sich am Beispiel Bambergs mit der deutschen Erinnerungskultur auseinandersetzen: In den Akten der Stadt gilt der erste Eintrag zum 8. Mai einer Kranzniederlegung am Ehrenmal des Friedhofs 1985, die eher an den Volkstrauertag denken lässt: Eingeladen waren nur Reichswehr- und Vertriebenenvetreter_innen.

Sophia Lösche hat in Bamberg Germanistik studiert und lebt heute in Leipzig. Erfahrungen zur Bamberger Politik hat sie in ihrer Karriere als Kommunalpolitikerin gesammelt, aus der dann aber doch nichts geworden ist.

Lukas Hohendorf studiert in Bamberg Politikwissenschaft und hat die Studierenden in zahlreichen Bürger_innen-Einbindungs-Veranstaltungen vertreten, wobei er einmal fast einen kleinen Erfolg verbuchen konnte.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei