Donnerstag, 27.06.2019: FELIX BOHR: Kriegsverbrecherhilfe – Wie die Bundesregierungen NS-Täter_innen unterstützten

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren in zahlreichen westeuropäischen Ländern NS-Kriegsverbrecher_innen inhaftiert. Im Zuge der Westbindung der Bundesrepublik wurden die meisten von ihnen entlassen. Lediglich in Italien und den Niederlanden verblieben insgesamt fünf Deutsche im Gefängnis: der SS-Mann Herbert Kappler, als Kommandeur der Sicherheitspolizei verantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, sowie die »Vier von Breda«, die maßgeblich an der Ermordung der niederländischen Juden und Jüdinnen beteiligt gewesen waren. Hochrangige deutsche Politiker_innen, unter ihnen die Bundeskanzler Brandt und Schmidt, setzten sich für ihre Freilassung ein. In der Bundesrepublik formierte sich eine einflussreiche Interessenvertretung für die im Ausland inhaftierten NS-Täter_innen, die intensive Hilfe leistete.
 
Felix Bohr ist Historiker und Journalist. Er hat Geschichte und Katholische Theologie in Berlin und Rom studiert und wurde in Göttingen über die bundesdeutsche »Kriegsverbrecherlobby« promoviert. Er arbeitet als Redakteur im Deutschlandressort des Spiegel.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 13.06.2019: VERONIKA KRACHER: Incels – Geschichte, Sprache und Ideologie eines misogynen Online-Kults

»Incel« ist eine Kurzform für »Involuntary Celibates« – also für unfreiwillig im Zölibat Lebende. Die »Incel«-Ideologie behauptet, Männer hätten ein angeborenes Recht auf Sex. Frauen, die sich ihnen verweigern, müssen daher verurteilt und bestraft werden. Der Frust über den vorenthaltenen Sex findet im Internet ein Ventil, wo sich Gleichgesinnte über die als »Femoids« dehumanisierte Frauen austauschen und das eigene Image als Opfer von Feminismus und Gesellschaft pflegen. Sowohl Selbst- als auch Frauenhass bestimmen das Dasein der Incels. Die permanente vermeintliche Kränkung wird untragbar; Wiedergutmachung kann sie nur im misogynen Terror erlangen. Der Vortrag liefert einen sozialpsychologischen und feministischen Einblick in die wohl toxischste Subkultur, die Patriarchat und Internet bisher hervorgebracht haben.
Content Warning: Der Vortrag thematisiert sexuelle Gewalt gegen Kinder und Erwachsene.
 
Veronika Kracher studiert(e) Soziologie und Literatur und arbeitet als freie Journalistin. Neben materialistisch-feministischer Gesellschafts- und Kulturtheorie arbeitet sie momentan vor allem zur Alt Right-Bewegung und der neuen Rechten.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 06.06.2019 : LOTHAR GALOW-BERGEMANN: Digitalisierung. Die Chance für ein besseres Leben ergreifen!

Die Stichworte »Industrie 4.0« und »Digitalisierung der Arbeit« stehen für eine Dynamik der Produktivkraftentwicklung, die unsere Gesellschaft in den kommenden beiden Jahrzehnten von Grund auf verändern wird. Wir werden mit weniger Arbeit immer größere Mengen stofflichen Reichtums schaffen. Da dabei noch mehr Menschen systemlogisch »überflüssig« werden, drohen allerdings enorme soziale Verwerfungen, obwohl sich doch eigentlich ungeahnte Chancen bieten. Die öffentliche Debatte, die über all das geführt wird, wird allerdings weder der Dimension des Problems noch den neuen Möglichkeiten gerecht. Die Welt verändert sich rasend schnell, alte Rezepte taugen nichts mehr. Das Modell »Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit« gerät weltweit in die Krise. Auch in Europa. Neue Wege sind angesagt. Massive Arbeitszeitverkürzung könnte die Antwort auf eine alte Frage ermöglichen: Was heißt Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum? Allerdings nur, wenn wir aus dem Gedankengefängnis der herrschenden abstrakten Reichtumsproduktion, sprich: des Kapitalismus, ausbrechen.
 
Lothar Galow-Bergemann, ehemaliger Personalrat in zwei Großkliniken, schreibt u. a. für konkret, Jungle World und www.emafrie.de.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei