Donnerstag, 25.07.2019: STEPHAN ALBRECHT: Die Architektur der schöpferischen Zerstörung

Walter Benjamin war einer der ersten, der über das Verhältnis von Geld und Religion geschrieben hat. Neuere soziologische Studien haben herausgearbeitet, wie stark Geldinstitute vom schöpferischen Potential ihrer Mitarbeiter_innen abhängen. »Schöpferische Zerstörung« nannte dies der Nationalökonom Alois Schumpeter zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Vortrag wird zeigen, wie dieses Paradoxon die Selbstdarstellung von Banken um die Jahrtausendwende geprägt hat.
 
Stephan Albrecht ist seit 2009 Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 18.07.2019: TOM DAVID UHLIG & ANDREAS FISCHER: Verpönte Erfahrung. Videospiele als Realitätszugang

Die Kids vergraben sich zuhause vor Konsolen und Rechnern, zocken Nächte durch und vermeiden so, sich dem »wahren Leben« da draußen zu stellen, das sie überfordert und einschüchtert – so oder so ähnlich geht ein gängiger Alltagsdiskurs über den Konsum von Videospielen. Gaming wird dabei aus der Realität ausgeklammert oder zum Methadonprogramm für Wirklichkeitsflüchtige, bei dem diese sich größer fühlen dürfen, als sie es in Wahrheit sind. Dabei sind Videospiele selbstverständlich Bestandteil der Wirklichkeit: Der Drache in World of Warcraft ist als Niederschlag menschlicher Praxis ebenso echt wie das nächstgelegene Fußballfeld. Erfahrungen, die mit Videospielen gemacht bzw. in ihnen gesammelt werden, sind gesellschaftlich verpönt, außer das Feuilleton bescheinigt ihnen, Kunst zu sein. Was aber macht trotz ihrer weitverbreiteten sozialen Geringschätzung Videospiele so attraktiv? Welche Erfahrungen lassen sich mit ihnen machen? Warum spielen Leute in ihrer Freizeit Arbeitssimulatoren, warum Spiele, die viel zu schwer sind? Warum sind die Spiele von früher am besten? Und warum stimmt das überhaupt nicht? Andreas Fischer und Tom Uhlig nehmen den Abend zum Anlass, um zwischen Plauderei, Begeisterungsanfällen und Niedergeschlagenheit, Let’s Play und Kunstkritik mit anderen Mitteln über diese Fragen zu schwadronieren.
 
Andreas Fischer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FAU Erlangen-Nürnberg und forscht zum Verhältnis Jugendlicher zur Erwerbsarbeit sowie zu aktueller Popkultur. Tom David Uhlig hat u. a. Psychologie in Frankfurt studiert. Er ist Mitarbeiter der Bildungsstätte »Anne Frank« und Mitherausgeber der Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie Freie Assoziation.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 11.07.2019: ANDREAS KALLERT: »Theorie der Widersprüche selbst«. Mit Gramsci das Scheitern der Linken verstehen?

Die wesentliche Erkenntnis im Staatsverständnis des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci liegt darin, den Staat nicht auf die Apparate selbst zu beschränken, sondern die so genannte »Zivilgesellschaft« ebenso als Teil des Staates zu begreifen. Der »integrale Staat« verbindet Gewalt und Konsens, Repression und Moral. Insbesondere Hegemonie als konsensbasierte Form von Herrschaftsausübung im Kapitalismus spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Diskurse in der Zivilgesellschaft sind daher Teil staatlicher Herrschaft, die durch die stets präsente Gewalt abgesichert ist: »Hegemonie, gepanzert mit Zwang«. Gramscis Ideen sind vor dem Hintergrund des Scheiterns der europäischen Linken zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Auch die Gegenwart bietet leider zahllose Beispiele des Scheiterns, Versagens und der strukturellen Folgenlosigkeit linker Interventionen: der Nazi-Terror des NSU, das Sterben in deutschen Polizeizellen, die organisierten Verbrechen der Autowirtschaft oder die Folgen des Klimawandels. Nach einer Einführung in Gramscis Staatsverständnis soll diskutiert werden, inwiefern wir mit seiner »Theorie der Widersprüche selbst« die konsequente Fortführung des immergleichen Elends besser verstehen und kritisieren können.
 
Andreas Kallert ist Politikwissenschaftler, arbeitet an der Universität Marburg zu Bankenrettungen in Europa und verdingt sich nebenbei als kritischer Beobachter des NSU-Komplexes und anderer Katastrophen. Zuletzt hat er in der freien uni bamberg über den national-autoritären Wettbewerbsstaat gesprochen.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei