Semesterstart

Das Sommersemester der fub sei hiermit eröffnet. Alle Termine sind hier zu finden.

Den Anfang machen zwei Referenten, die schon einmal in der fub zu Gast waren.

Donnerstag, 05.05.2011
Erich Später: Villa Waigner.
Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag

Ort: Balthasar. Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00

Freitag, 06.05.2011
Johannes Ullmaier: »Dicke rote Striche unter ganze Zeilen«
Erich Mühsams Tagebücher in der Festungshaft als Vorschein digitaler Überwachung

Ort: Balthasar. Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00

Alle Infos s. unten.

Info: Erich Später: Villa Waigner. Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag

Mit der Besetzung Prags begann am 15. März 1939 eine sechsjährige deutsche Terrorherrschaft über das »Reichsprotektorat Böhmen und Mähren«. Es wurde dem deutschen Herrschaftsbereich eingegliedert, von deutschen Konzernen und Banken ausgeplündert, das Eigentum seiner 80.000 jüdischen Bürger_innen an deutsche Banken, Konzerne, Gemeinden, Wohlfahrtsverbände und Zehntausende Volksgenoss_innen verteilt.

Erich Späters Vortrag schildert den Prozess der Entrechtung und Deportation der tschechischen Juden und Jüdinnen. Beispielhaft rekonstruiert er die Enteignung und Ermordung des jüdischen Ehepaares Waigner, dessen Prager Villa ein begehrtes Objekt der Begierde hoher Nazifunktionäre wurde. Den Zuschlag für die »Judenvilla« erhielt schließlich der SS-Offizier Hanns Martin Schleyer. Dies zeigt: Ohne Leute wie Schleyer wären weder der Vernichtungskrieg im Osten noch der Holocaust möglich gewesen.

Erich Später, geb. 1959, arbeitet – nach Buchhändlerlehre und Studium in Berlin und Saarbrücken – heute für die Heinrich Böll Stiftung, schreibt für die Zeitschrift Konkret und hat 2009 im konkret-Verlag das Buch »Villa Waigner – Hans Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag« veröffentlicht. Zuletzt hat er in der Freien Uni über den Bund der Vertriebenen gesprochen.

Info: Johannes Ullmaier: »Dicke rote Striche unter ganze Zeilen«. Erich Mühsams Tagebücher in der Festungshaft als Vorschein digitaler Überwachung

Nach Scheitern der Münchner Räterevolution saß der Dichter und Anarchist Erich Mühsam, welcher prominent an ihr beteiligt war, von 1920 bis 1924 in Festungshaft. In dieser Zeit wurde sein Tagebuch, das er seit 1910 regelmäßig – und in der Haft noch intensiver – führte, mehrfach konfisziert, ausgewertet und (teils öffentlich) gegen ihn verwendet. Die schlimmen und absurden Konsequenzen, die daraus erwuchsen, werfen die Frage auf, inwieweit das, was im Rückblick als Entgleisung präfaschistischen Klassenjustizvollzugs erscheint, heute – mit den Möglichkeiten digitaler Überwachung – nicht allgemeiner Standard zu werden droht und wie man/frau sich dagegen wehren kann.

Johannes Ullmaier, geb. 1968, lehrt an der Universität Mainz; ist Mitherausgeber der Zeitschrift testcard; Buchveröffentlichungen: »Yvan Golls Gedicht ‚Paris brennt’. Zur Bedeutung von Collage, Montage und Simultanismus als Gestaltungsverfahren der Avantgarde« (1995); »Pop shoot Pop. Über Historisierung und Kanonbildung in der Popmusik« (1995); »Kulturwissenschaft im Zeichen der Moderne« (2001); »Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur« (2001); (Hg.) »Schicht! Arbeitsreprotagen für die Endzeit« (2007). Zuletzt hat er in der Freien Uni gemeinsam mit Natalja Kyaw über Punk und Post-Punk in Jugoslawien gesprochen.

Der Vortrag findet mit freundlicher Unterstützung des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universität Bamberg statt.

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