FRANK APUNKT SCHNEIDER: »Bei Verwendung einer Beatband in der Lautstärke auf die Gemeinde und den Raum Rücksicht nehmen!«

Sakropop als deutscher Sonderweg zur Popreligiosität

Der »Schwund an jugendlichen Gottesdienstbesucher_innen« wurde in den 1970er Jahren meist mit der »Ausgrenzung der Lebenswelt von Jugendlichen« aus dem Gottesdienstgeschehen erklärt. Um sie zu erreichen, mussten die Amtskirchen einen (Schein-)Frieden mit Rockmusik und Popkultur schließen. Die Geschichte des Sakropop berichtet von der langen, zähen und tragikomischen Integration von Pop in die Kirche. Sakropop ist »neue Kirchenmusik mit Stilmitteln moderner Popularmusik«, so Martin Bubmann, der Diedrich Diederichsen der Szene. Sakropop hat die zahllosen Widersprüche zwischen religiösem Dogmatismus und popkulturellem Freiheitsversprechen in sich aufgenommen und in eine adäquate Form gebracht: die möglicherweise am weitesten entfremdete Form von Pop überhaupt. Und damit natürlich schon wieder: Meta-Pop!
Der Sakropop dürfte eines der merkwürdigsten Sub-Genres des Pop sein, praktiziert lediglich innerhalb einer beinahe unsichtbaren und völlig unvermittelbaren Subkultur. Eben: Incredibly strange music.
Frank Apunkt Schneider wird Höhepunkte seiner umfangreichen Sakropop-Sammlung vorspielen und erläutern.

Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler und selbsternannter Poptheoretiker. Er schreibt u. a. für Testcard, monochrom, Skug, Zonic, Bad Alchemy und Intro. Er lebt zurzeit als deutscher Außenposten der Kulturbewegung monochrom (www.monochrom.at) in Bamberg. Im Ventil-Verlag hat er das Buch »Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW« veröffentlicht.
Zuletzt hat er am 03.12.2009 in der FUB zum Thema »Die Diktatur des ‚man’. Von der Schwierigkeit, in linken deutschen Medien geschlechtsneutral zu sprechen« gesprochen

Martin Büsser

Am 23.9 starb im Alter von 42 Jahren der Autor und Poptheoretiker Martin Büsser nach kurzer schwerer Krankheit an Krebs.

Martin hat am 11.02.2010 in der Freien Uni Bamberg zum Thema „Antifolk. Songwriting gegen den Strich“ gesprochen.

Nach dem Vortrag haben wir mit ihm in seinen 42. Geburtstag hineingefeiert.

Martin war Herausgeber der Zeitschrift Testcard und Mitbegründer des Ventil-Verlags.

Außerdem erschienen seine Texte u. a in Zap, Emma, WOZ, Konkret, Intro und Jungle World. Er schrieb dort über Pop, Kunst, die heteronormative Gesellschaft und die unzähligen Bands und Künstler_innen, die abseits des Immergleichen arbeiten.

Martin hat in seinem Schreiben die Geschichte einer „Anderen Musik“ entworfen. Und er hat Verbindungen zwischen Dingen aufgezeigt, die ästhetisch oder historisch weit auseinander liegen

Musik war für ihn immer eine Geste der Dissidenz, ein Einspruch gegen das Bestehende, ein Insistieren auf das, was (noch) nicht ist. Egal ob als Free Jazz, als Neue Musik, als früher Punk oder als queerer Electropop.

Als sich die deutsche Popkritik allmählich in der Promozettelschreibe einzurichten begann, hat Martin immer Haltung bewahrt und Stellung bezogen.

Bei seinem Vortrag hat er uns von den Moldy Peaches, von Daniel Johnston, den Fugs, den Shaggs und den Frogs erzählt.

Wir hätten ihn gerne wieder einmal eingeladen.

Freie Uni Bamberg

03.06.10 – 20 Uhr – Poststrukturalismus und Kritische Theorie

nachdem wir eine woche lang freie uni ferien haben – nicht zuletzt des KONTAKT-Festivals wegen – geht es in der nächsten woche gleich wieder weiter. und das sollen ferien sein??

Im Vortrag wird zum Verhältnis der beiden Ansätze von Poststrukturalismus und Kritischer Theorie Stellung genommen werden. Dies geschieht zum einen in historischer Hinsicht, also vor dem Hintergrund der Entwicklung beider Ansätze und ihrer gegenseitigen Wahrnehmung bzw. Nichtwahrnehmung sowie den damit verbundenen Verständnissen und Missverständnissen. Zum anderen soll darüber auch die institutionelle Seite beleuchtet, also kritisch gefragt werden, wie der jeweilige „Marsch durch die Institutionen“ dem entsprechenden Anliegen zu- oder abträglich war und wie sich die gegenwärtige Situation darstellt.

Dr. Stephan Günzel ist zurzeit Visiting Fellow am His­torisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität Trier und hat von 1992 bis 1995 in Bam­berg Philosophie studiert. Er ist wissenschaftlicher Mit­arbeiter in den Bereichen Philosophie, Kulturtheorie und Medienwissenschaft und arbeitet in Forschungs­projekten über Archäologie und Archivtheorie sowie zuletzt zur Bildräumlichkeit von Computerspielen.

www.stephan-guenzel.de

20.05.10 – 20 Uhr – Unter dem Messer

Kulturelles Recht oder Menschenrecht?

Genitalbeschneidung bzw. Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen ist eine weltweit sehr verschiedenartig ausgeführte Praxis, und seit langem Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Oft werden diese als Kontroverse zwischen westlichen und nicht-westlichen Vorstellungen wahrgenommen: Dem Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit wird dabei das Recht auf die Ausübung der eigenen Kultur, Tradition und/oder Religion entgegengesetzt und gegenüber der Kritik am Patriarchat die weibliche Handlungserweiterung betont, die in dieser Praxis liegen soll. Jedoch lassen sich die Gegner_innen weder eindeutig „dem Westen“, noch die Befürworter_innen eindeutig „dem Rest“ zuordnen, und ebenso wenig kann dieser Konflikt auf einer Ebene gelöst werden, die Universalismus und Kulturrelativismus unvermittelt einander gegenüberstellt.

Vielmehr müssen beide Seiten auf ihre jeweils emanzipatorischen und repressiven Momente und auf ihre inneren Implikationen hin befragt werden, ohne dabei die Kategorien ineinander verschwimmen zu lassen. Dafür ist nicht zuletzt ein Maßstab notwendig, der im Rückgriff auf Adorno als „Abschaffung menschlichen Leidens“ aufgezeigt und herausgearbeitet werden kann, denn: „Leiden beredt werden zu lassen, ist Bedingung aller Wahrheit“. (Adorno)

Referentin: Janne Mende hat Ethnologie, Politikwissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin studiert und promoviert zurzeit zum Begriff kollektiver Menschenrechte und seiner Kritik. Aktuelle Veröffentlichung: „Emanzipation in der politischen Bildung. Theorien, Konzepte, Möglichkeiten“ (hrsg. gemeinsam mit Stefan Müller).

„Menschenrechtsorientierung und Antisemitismus. Eine psychologische Bestandsaufnahme“ von Johannes Kopf

Die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 war eine Reaktion auf die Vorkommnisse des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Seit dieser Zeit haben sich die Strukturen und Auftretensformen antisemitischer Einstellungen in Deutschland zum Teil massiv verändert. Der Frage, was moderne Formen des Antisemitismus mit Menschenrechten zu tun haben, soll unter sozialpsychologischer Perspektive nachgegangen werden. Hierzu wird eine Studie zu Menschenrechtseinstellungen und Antisemitismus bei Jugendlichen aus dem oberfränkischen Raum vorgestellt. Auf der Basis von deren Ergebnissen soll über Konsequenzen und Handlungsoptionen diskutiert werden.

/Johannes Kopf studiert in Bamberg Psychologie, Theologie und Politikwissenschaften. Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe Friedensforschung der Universität Konstanz./

Do, 13.05.2010 um 20.00 Uhr im Balthasar (Balthasargäßchen 1).

supportparty.

hier mal wieder ein hinweis. mittwoch dieser woche findet eine art support-startup-wasauchimmeralles-party in der austraßen mensa statt. es ergeht herzliche einladung. zu supporten: der asta e.v. -die traeger_in von fub, balthasar, festival contre le racisme, woche gegen sexismus und einigen veranstaltungen mehr, die das leben in bamberg ertraeglicher machen.

Exkursion in die Anlagen der Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Exkursion nach Dora/Mittelbau

Vom 14.-16. Mai organisiert das Referat für Antifaschismus/Antirassismus eine Exkursion in die Anlagen der Gedenkstätte des ehemaligen Arbeitslagers Dora/Mittelbau – einst Außenlager des KZ´s Buchenwald. Vor Ort werden wir Workshops in Kooperation mit dem Verein „Jugend für Dora“ durchführen. Folgende Themenkomplexe werden aller Voraussicht nach behandelt:

1.Vernichtung durch Arbeit. Wir werden der Frage nachgehen, wie das Programm der Vernichtung durch Arbeit ausgestaltet wurde und welchen Stellenwert es in der deutschen Praxis während des 2. Weltkrieges einnahm.

2.Widerstand in den Lagern. Gab es in den Lagern Mittelbau-Dora Widerstand? Wie war dieser organisiert und wie äußerte er sich?

3.Wahrnehmung des Lagers in der Bevölkerung. Was wusste die Bevölkerung und wie bezog sie während des Krieges, in der DDR und nach 1990 Stellung zu den Lagern?

Die Exkursion steht allen Interessierten offen, maximale Teilnehmer_innenzahl 18 Personen. Die Exkursion wird mit Mitteln der Doris-Wuppermann-Stiftung, des Asta e.V. und des Antifa-Referat der Studierendenvertretung der Uni Bamberg ermöglicht. Dennoch kommt auf jede_n Teilnehmer_in eine Eigenbeteiligung von 15 € zu. Mit inbegriffen sind darin die zwei Übernachtungen, die Fahrt und teilweise die Verpflegung.

Verbindliche Anmeldungen:

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