Donnerstag, 17.12.2020: RENÉ HAASE: Postwachstum und Kommunismus?

Seit den 2010er Jahren versammeln sich unter dem Begriff »Degrowth« bzw. »Postwachstum« verschiedene Akteure mit zum Teil widersprüchlichen Inhalten. Sie alle eint die Kritik an Wirtschaftswachstum und der Klimakrise. So weit, so vage. Im deutschsprachigen Raum repräsentiert z. B. Niko Paech ein bestimmtes Spektrum von »Postwachstum«, das mit »Entschleunigung« und »regionalisierter Subsistenzwirtschaft« aufwartet und eine Nähe zu Zinskritik und individualisierten Verzichtsappellen aufweist. Linke und (ideologie-)kritische Kritik daran ist durchaus sinnvoll und richtig. Sie tendiert aber dazu, das sprichwörtliche Kind mit dem Bade auszuschütten. Denn hinter die ökologische Krise gibt es kein Zurück, und auch die kommunistische Weltgesellschaft wird sich nicht einfach im Handumdrehen als das vollautomatisierte Paradies auf Erden einstellen. Entgegen dem Vorurteil, Postwachstum sei reine Alltagsreligion, möchte der Vortrag marxistische und antikapitalistische Positionen innerhalb des Diskurses stark machen und mögliche Anknüpfungspunkte für die kommunistische Praxis aufzeigen.

René Haase ist Sozialwissenschaftler und arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig. Seine Themenschwerpunkte sind Öffentlichkeitsarbeit, Gesellschaftstheorie und Kritik von Lohnarbeit.

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/-VsafxRLdZA

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 10.12.2020: CHRIS W. WILPERT: Das Bewusstsein des Nichtmitmachens. Leo Löwenthal und die Aktualität der Kritischen Theorie

In Gesprächen am Ende seines Lebens rekapitulierte Leo Löwenthal den Kern der Kritischen Theorie: »Man kann niemals, und dagegen haben wir uns immer gewehrt, positiv ausführen, was das richtige Leben ist.« Löwenthal gehörte als Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung zum engsten Kreis um Max Horkheimer. An Adorno und Horkheimers Elemente des Antisemitismus hatte er wesentlichen Anteil. Einen eigenen Beitrag zu den Studien zum Autoritarismus legte er zusammen mit Norbert Guterman in Prophets of Deceit vor. Seit den 1930er-Jahren arbeitete er an einer materialistischen Literaturwissenschaft und analysierte das »bürgerliche Bewusstsein in der Literatur«. Seine soziologische Auseinandersetzung mit der Massenkultur knüpfte an Adornos Analyse der Kulturindustrie an. Da Löwenthal als einziger aus dem engeren »Horkheimer-Kreis« noch die 1980er und 1990er erlebte, begleitete er nicht nur die Rezeption der Kritischen Theorie. Er widmete sich zusammen mit Sabine Lang auch kritischen Studien über die Postmoderne, die eine politische Kultur der »Exklusivität und Ausgrenzung« erzeuge. Sein Werk ist Ausgangspunkt für die Frage nach Geschichtlichkeit und Aktualität der Kritischen Theorie.
 
Chris W. Wilpert ist fub-Alumni, Literaturwissenschaftler und Technischer Redakteur. Zuletzt hat er zusammen mit Robert Zwarg in der freien uni bamberg über »Hipster und andere destruktive Charakter der Gegenwart« gesprochen.

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/Xfmm2rgP44s

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Beginn: 20:00
Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 03.12.2020: JAN-NIKLAS JÄGER: Factually: Subversion im Pop am Beispiel der Pet Shop Boys

Seit über 30 Jahren zeigen die Pet Shop Boys, dass sich kommerzieller Erfolg und ein subversives Verständnis von Pop nicht ausschließen. Bereits ihre erste Single, der Welthit »West End Girls«, thematisierte Klassenunterschiede. Mithilfe nur scheinbar einfacher Pop-Songs zeichnen die Pet Shop Boys ein komplexes Gesellschaftsbild. Ihr Werk muss daher einer genaueren Analyse unterzogen werden: vom großen Hit bis zur B-Seite, von der Ikonographie bis zum Live-Auftritt. Es geht dabei um soziale Geschichte, sexuelle Identität und Clubkultur. Und um die Popkultur im Allgemeinen, die durchaus einem kritischen Anspruch gerecht werden kann.
 
Jan-Niklas Jäger lebt aktuell in Nürnberg und schreibt für jungle world und testcard. 2019 erschien sein erstes Buch Factually: Pet Shop Boys in Theorie und Praxis. Zuletzt hat er Sex Revolts: Gender, Rock und Rebellion von Joy Press und Simon Reynolds ins Deutsche übersetzt.

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/6GsfbqKAcnE

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Beginn: 20:00
Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 26.11.2020: LUKAS WITTMANN: Die Vibes der Konservativen Revolution: Über die Neue Rechte und ihre Vorbilder

Eine heute häufig gestellte Diagnose ist, dass ein politischer Rechtsruck stattgefunden hat und noch immer stattfindet. Eine Akteurin dieser Verschiebung ist die stets besonnen und intellektuell auftretende »Neue Rechte«. Wie diese Strömung tickt, soll anhand eines Rückblicks in die Weimarer Republik geklärt werden: Hier wirken die Autoren der »Konservativen Revolution«, die den primären historischen Bezugspunkt der Neuen Rechten darstellen. Die Grundstimmung, das Weltbild und die Motive, kurz: die Vibes der Konservativen Revolution, begegnen uns heute wieder. Der geschichtliche Zusammenhang kann helfen, sie besser zu verstehen und zu durchschauen.

Lukas Wittmann hat Philosophie und Soziologie in Bamberg studiert und die freie Zeit bis zum Beginn seines Masterstudiums unter anderem dafür genutzt, sich mit der Konservativen Revolution zu beschäftigen.

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/kqFAFd31d2g

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Beginn: 20:00
Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 19.11.2020: CONSTANTIN GANSS: Antisemitismus im Kontext der »Anti-Corona-Demonstrationen« in Bamberg

Seit das Auswärtige Amt am 17. März Einreisestopps sowie eine weltweite Reisewarnung bekanntgegeben hat und seit am 22. März die ersten Kontaktbeschränkungen wirksam wurden, ist die Covid-19-Pandemie im alltäglichen Bewusstsein der Menschen in Deutschland angekommen. Das Problemfeld Antisemitismus blieb hiervon nicht unberührt – im Gegenteil. Zunächst brach sich Antisemitismus unter Corona-Bedingungen in Form von Verschwörungsideologien Bahn, die vor allem über das Internet verbreitet wurden. Jüdisches Leben wurde dort online angegriffen, wo es selbst verstärkt in Online-Formaten stattfand. Dabei ist es jedoch nicht geblieben. Auf Demonstrationen der »Corona-Rebellen«, von »Querdenken« und Attila Hildmann traten die kruden antisemitischen Verschwörungsideologien offen zu Tage, die in Teilen der deutschen Bevölkerung bereits angelegt waren und durch die Pandemie zusätzlichen Auftrieb erhalten hatten. Der Vortrag will die Entwicklungen um die »Anti-Corona-Demonstrationen« und den dort formulierten Antisemitismus am Beispiel Bamberg empirisch untersuchen und führt zu diesem Zweck zunächst in die zugrunde liegenden antisemitischen Erklärungsmuster und Denkweisen ein.
 
Constantin Ganss studiert Geschichte und Politikwissenschaften in Bamberg und hat in der Weltholocaustgedenkstätte Yad Vashem und bei Amacha gearbeitet. Er ist Sprecher des Jungen Forums der Deutsch Israelischen Gesellschaft Bamberg und engagiert sich gegen Antisemitismus.

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/oY7Fx5kWzMU

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Beginn: 20:00
Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 12.11.2020: LOTHAR GALOW BERGEMANN / ERNST LOHOFF: Die Hoffnung auf das „revolutionäre Subjekt. »Arbeiterklasse« als Ausdruck linksidentitärer Sehnsucht

Linke, die jahrzehntelang die soziale Frage entweder völlig vergessen oder stiefmütterlich behandelt haben, haben die Deutung wichtiger gesellschaftlicher Konflikte den Liberalen und Konservativen überlassen. Viele erhoffen sich jetzt von der Rückbesinnung auf die Klasse und ihre Kämpfe einen Ausweg. Doch in dem von Finanzmarktdynamik und Globalisierung getragenen Kapitalismus, in dem die Konkurrenz aller gegen alle mehr denn je Gesellschaft und Alltagsleben dominiert, ist die Beschwörung irgendeiner ominösen Klassenidentität nur eine nostalgische Phantasie. Ob Wohnungsfrage, radikale Arbeitszeitverkürzung oder die Verhinderung der Klimakatastrophe – für keinen der Kämpfe, die heute geführt werden müssen, ist mit der Wiederentdeckung der Klasse irgendetwas gewonnen.

Ernst Lohoff ist Redakteur der Zeitschrift krisis – Kritik der Warengesellschaft (www.krisis.org). Lothar Galow-Bergemann schreibt u. a. auf der Seite Emanzipation und Frieden (www.emafrie.de.org) und hat in der freien uni bamberg zuletzt über »Digitalisierung: Die Chance für ein besseres Leben ergreifen!« gesprochen.

Unterstützt durch die DGB Hochschulgruppe Bamberg.

Ort: Der Vortrag wird nicht über YouTube gestreamt, sondern findet über das Videokonferenz-tool „Zoom“ statt. Um teilzunehmen, einfach um 20 Uhr auf folgenden Link klicken:

https://uni-bamberg.zoom.us/j/98187083521

Dass Passwort der Sitzung lautet: 7#+vnJ

Die Meeting-ID lautet: 981 8708 3521

Beginn: 20:00

Eintritt: frei

Donnerstag, 05.11.2020: BALTHAZAR BENDER: A_sexualität. Über Begriffe, Communities, Amöbenwitze und Diskriminierung

Asexualität – das A im ständig wachsenden und immer unübersichtlicheren Buchstabensalat von LSBTTIAQP+. Aber was bedeutet dieses Wort eigentlich? Welche Begriffe und Definitionen gibt es? Welchen Platz hat A_sexualität zwischen all den anderen Buchstaben der queeren Community, und welche Erfahrungen machen a_sexuelle Menschen in queeren Kreisen, aber auch im Alltag? Was hat das alles mit Amöben zu tun? Diesen Fragen wollen wir in einem interaktiven Vortrag auf den Grund gehen. Dafür ist kein Vorwissen nötig – wir starten bei den Basics und haben genug Zeit für Fragen und allen Redebedarf.

Balthazar Bender (er/ihm oder keine Pronomen) studiert Gender Studies im Master an der Universität Freiburg und betreibt a_sexuellen Aktivismus online, bei Vorträgen und in Workshops. Besonders gerne beschäftigt sich Balthazar mit a_sexueller Repräsentation in den Medien und a_sexueller Geschichte. Seit 2013 ist Balthazar außerdem beim Queer Lexikon aktiv, einer Online-Anlaufstelle für queere Jugendliche.

Unterstützt durch die QueerCommUNIty Bamberg

Ort:

Interaktiv auf Jitsi: https://meet.jit.si/freieunibamberg
PW: AdornoHatGesagt

Live-Stream auf Youtube: https://youtu.be/oY7Fx5kWzMU

Beginn: 20:15 (pünktlich)

Eintritt: frei

Donnerstag, 09.07.2020: VINCENT WEICKART: Dumm ist der, der Dummes tut: Eine historisch-politische Betrachtung der Intelligenzmessung

Die Intelligenzmessung stellt bis heute eines der bedeutendsten Forschungsgebiete psychologischer und sonderpädagogischer Diagnostik dar. Dabei löst das »Intelligenz«-Konstrukt – nicht zuletzt aufgrund seiner Anknüpfungspunkte für rassistische Ideologien –immer wieder Kontroversen aus. Die Wurzeln der Eugenik lassen sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen.Die ihr zugrunde liegende Vorstellung von der natürlich vererbten Überlegenheit bestimmter Menschengruppen findet sich aber auch in aktuellen Debatten wieder. In diesem Vortrag soll Intelligenz daher in ihrem historischen und politischen Kontext kritisch betrachtet werden, um das ihr innewohnende Potential der Hierarchisierung in einer technisch-rationalen Gesellschaft zu problematisieren.
 
Vincent Weickart studiert im Fachbereich Human- und Sozialwissenschaft in Bamberg und ist nebenbei gewerkschaftlich aktiv.
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Vorgehen für Online-Vorträge der fub allgemein:
Besucht zum angegebenen Vortragstermin um 20 Uhr die Seite https://l.linkspad.de/p/fub-bamberg-digital. Hier teilen wir den Link zum Video und ggf. ein Passwort zum Öffnen der Datei und Moderieren den Vortragsabend. Außerdem können hier Fragen an die Referent*innen gestellt werden. 

Donnerstag, 25.06.2020: ALICIA SCHLENDER: Vom Kümmern, dem Kummer und der Kleinfamilie. Feministische Familienkritiken und neue Familienformen

Die Corona-Krise ist auch eine Krise der Kleinfamilie. Sie zeigt, dass ein oder zwei Menschen nicht ausreichen, um sich neben dem Vollzeitjob noch um Kinder (um andere soziale Beziehungen und um sich selbst etc.) zu kümmern, ohne dabei verloren zu gehen. Auf politischer Ebene ist die Kleinfamilie jedoch noch immer sehr beliebt. Steuerlich und wohnungspolitisch wird sie privilegiert. Obwohl Gleichberechtigung in aller Munde ist und viel darüber gesprochen wird, dass die Familienformen sich wandeln, gilt die heterosexuelle Kleinfamilie weiterhin als normal – und mit ihr die Ungleichheit in Familien: Sorgearbeit ist größtenteils noch immer Frauensache. Ein Phänomen, dass in der Corona-Krise deutlicher denn je zutage tritt.

Welche Rolle spielt das Ideal der Kleinfamilie dabei, Geschlechterungleichheit und die gesellschaftlichen Elternrollen (z. B. die Mutter als Hauptverantwortliche) immer neu hervorzubringen? Welche Möglichkeiten für gleichberechtigte Elternschaft gibt es?  Co-Elternschaft soll in diesem Zusammenhang als Familienform, die nicht (allein) auf einem romantischen Beziehungskonzept aufbaut, vorgestellt und in ihren Vor- und Nachteilen diskutiert werden.

Alicia Schlender hat Politik und Geschlechterforschung studiert und beschäftigt sich mit Familie und Feminismus, Ungleichheit, Mutterschaft und alternativen Familienformen. Sie lebt mit Kindern in einer Wohngemeinschaft.

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Vorgehen für Online-Vorträge der fub allgemein:
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