
Wenn wir Erinnern als politisches Handeln begreifen, stellen wir fest: Erinnern ist umkämpft. Wer und was wird (nicht) erinnert? Welche Perspektive auf die Vergangenheit setzt sich durch? Und wie hängt sie mit Machtinteressen zusammen? Dass sich nach der bedingungslosen Kapitulation der Nationalsozialist*innen 1945 zwei deutsche Staaten – die DDR und die BRD – herausgebildet haben, ist eine historisch einzigartige Situation. Obwohl sie dieselbe Vergangenheit teilen, hätten die beide kaum unterschiedlichere Wege der Vergangenheitsbearbeitung wählen können. Damals wie heute ist die Ausgestaltung staatlicher Erinnerungspolitik das Resultat gesellschaftlicher Konflikte, von Machtinteressen geleitet und funktional für die Legitimierung staatlicher Ordnung. Um diese Aspekte von Erinnerungspolitik besser zu verstehen, vergleichen wir die Erinnerungspolitiken in der BRD und DDR im Zeitraum 1949 bis 1990 und untersuchen ihren Zusammenhang mit Nation-Building-Prozessen.
Lenz und Henni haben Politikwissenschaft in Kassel studiert. Sie teilen die Faszination für Erinnerungspolitiken und die Liebe zu Archiven, was zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit wurde.