Archiv der Kategorie: Allgemein

Donnerstag, 02.12.21: TOM UHLIG: Lisa Eckhart, Cancel Culture und das erlaubte Ressentiment

»Der Humor, die letzte Bastion der freien Meinung, ist bedroht vom linken Tugendterror der Cancel Culture«, rumort es derzeit offenbar ununterbrochen in den reaktionären Schädeln des Feuilletons. Eines der grausamsten Opfer der illiberalen Politkomissar*innen soll die Kabarettistin Lisa Eckhart gewesen sein, deren antisemitische und rassistische Witzeleien als das benannt wurden, was sie sind. In der Zeitspanne von nicht einmal einem Jahr wurde die Kabarettistin daraufhin angeblich mundtot gemacht und zum Medienliebling befördert. Die Dynamik öffentlicher Auseinandersetzung scheint exemplarisch im deutschsprachigen Raum, wo halluzinierte Sprechverbote schnell dazu führen, dass die vermeintlich Betroffenen berühmter werden als sie es zuvor gewesen waren. Kritik wird von ihrem Inhalt entleert und zum Aufhänger für Interviews genutzt, kaum aber ernsthaft thematisiert. Das soll in diesem Vortrag nachgeholt und sowohl der Skandal um Eckhartals auch die Beziehung des Witzes zum Ressentiment besprochen werden.

Tom Uhlig ist Mitherausgeber der Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie Freie Assoziation sowie von Psychologie und Gesellschaftskritik. Zuletzt hat er in der freien uni über »Deutschlands Platz in der Antarktis« gesprochen.

Vortrag Live via Zoom: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

(kein Kenncode erforderlich, Zutritt ohne Zoom-Installation über „Join from Your Browser“ möglich)

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 25.11.21: PLURALE ÖKONOMIK / DANIEL MAYERHOFFER / JAN SCHULZ: »Ich sehe was, was du nicht siehst«: Soziale Vergleiche und die Grenzen der Wahrnehmung

In der orthodoxen volkswirtschaftlichen Modellwelt sind Akteur*innen häufig vereinzelte Wesen und interagieren nur in Ausnahmfällen. In der Realität vergleichen wir uns hingegen ständig entlang verschiedener Dimensionen mit den Menschen in unserem Nahbereich. Unser Wohlbefinden hängt aber nicht nur davon ab, wie gut es uns selbst geht, sondern auch davon, wie gut es uns im Vergleich zu anderen geht. Das hat bedeutende Auswirkungen auf die Weise, wie Märkte funktionieren (und für wen) und ebenso darauf, ob wir soziale Ungleichheiten im Alltag wahrnehmen und inwieweit ethischer Konsum tatsächlich einen signifikanten Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten kann. Im Vortrag wollen wir aufzeigen, wie eine Modelltheorie sozialer Vergleiche uns verstehen helfen kann, warum die steigende ökonomische Ungleichheit derart wenig Protest nach sich zieht, warum marginalisierte Menschen Ungleichheiten besser einschätzen können und woher eigentlich plötzlich die ganzen SUVs auf den Straßen kommen.

Daniel Mayerhoffer ist seit 2019 bei der Pluralen Ökonomik Bamberg. Er promoviert auf dem Gebiet der Computerunterstützten Sozialwissenschaftlichen Modellierung und tüftelt in seiner Freizeit an Legomodellen. Jan Schulz promoviert in Bamberg zu Fragen der ökonomischen Ungleichheit, hat 2015 die Gruppe Plurale Ökonomik in Bamberg mitbegründet und sucht seitdem nach Wegen, soziale Interaktion fruchtbar zu modellieren.

Vortrag Live via Zoom: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

(kein Kenncode erforderlich, Zutritt ohne Zoom-Installation über „Join from Your Browser“ möglich)

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 18.11.21: LASSE PESCHKA: Sex mit Puppen: Patriarchaler Albtraum oder perfekte Partnerinnen?

Sexpuppen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Vom aufblasbaren Latex-Spielzeug, das allenfalls zum Gag bei Junggesellenabschieden taugt, haben sie sich in übersexualisierte und ultrarealistische Silikon-Abbilder des weiblichen Körpers verwandelt. Die Beurteilung dieser Puppen könnte unterschiedlicher nicht sein: Während die einen in Ihnen die »perfekte Partnerin« und die Zukunft der Intimbeziehung sehen, sorgen sich andere um das Wohl von Frauen und Kindern und fordern ein Verbot von Sexpuppen und -robotern.In dieser polarisierten Debatte möchte ich den Spagat versuchen, die Kritik an Sexpuppen und die möglichen negativen Konsequenzen ihrer Nutzung zu bedenken und gleichzeitig ihre Nutzer*innen nicht vorzuverurteilen. Sind Sexpuppen die final objektifizierte Frau und ist die Puppenszene der Nährboden für sexistisches Gedankengut? Oder sind die Puppen harmlos und bergen vielleicht sogar queeres Potenzial?

Lasse Peschka hat Psychologie studiert und seine Masterarbeit über die Nutzung von Sexpuppen geschrieben. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Sexualität und Geschlecht. Aktivistisch setzt er sich für Fragen der Gleichberechtigung ein, derzeit vor allem im Eltern-Kontext.

Vortrag Live via Zoom: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

(kein Kenncode erforderlich, Zutritt ohne Zoom-Installation über „Join from Your Browser“ möglich)

Beginn: 20:00 Eintritt

Zugang/Eintritt: frei

Donnerstag, 11.11.2021: FRANKO BUROLO: Let Us Hear Now the Crisis of Brains on the Asphalt: Three Punk Expressions of Crisis

Since the crisis-marked beginnings of punk, its obvious relationship with anarchism could be easily described as »it’s complicated« . In spite of the wide use of the word and the circled A symbol, not every artist considered anarchy in its political meaning of radical egalitarianism and libertarian socialism. I am considering the presence in punk of the »impulse of anarchy« as a more-than-political aesthetic phenomenon present in all avant-garde poetry (and arts in general) in modern history, consciously or not, whose ultimate goal is still, all considered, »to change life and modify the world«. Through this perspective, the lecture will present a comparative analysis of a selection of three expressions of crisis by three different punk groups from three different European countries, in three different languages: »Možgani na asfaltu« (»Brains on the Asphalt«) in Slovene by Berlinski zid from (then) Yugoslavia, »Lasciateci sentire ora« (»Let Us Hear Now«) in Italian by Franti from Italy, and »Crisis« in English by Poison Girls from the UK. The lecture will thus try to contribute to the understanding of anarchist and anarchic influences in cultural coping with crisis under international capitalism and bourgeois hegemony.The lecture will be held in English.

Franko Burolo is a PhD candidate in literature and culture at the Otto-Friedrich University. He has graduated at Zagreb where he was also active in the local underground poetry circles in Zagreb with his own experimental poetry, and currently looking for allies for similar activities in Bamberg.

Vortrag Live via Zoom: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

(kein Kenncode erforderlich, Zutritt ohne Zoom-Installation über „Join from Your Browser“ möglich)

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

DER VORTRAG MUSS WEGEN KRANKHEIT ENTFALLEN! SORRY! Donnerstag, 28.10.21: SEBASTIAN LIPP: Waldorfschulen und völkische Bewegung

Vortrag entfällt leider wegen Krankheit des Referenten, wir holen den Vortrag am 13.01. nach!

Beginn: 20:00 DER VORTRAG MUSS WEGEN KRANKHEIT LEIDER ENTFALLEN. SEBASTIAN LIPP EMPFIEHLT DIE DOKU „Wie Rechtsextremisten unsere Schulen unterwandernhttps://www.youtube.com/watch?v=LQrxlpPEa98 ALS KLEINEN ERSATZ

Waldorfschulen gelten als fortschrittliche Alternative zur staatlichen Beschulung. Dennoch steht die Waldorfpädagogik bis heute in der Tradition ihres Gründers Rudolf Steiner, dessen angeblich durch hellseherische Einsichten erworbene Überzeugungen zutiefst rassistisch, autoritär, wissenschaftsfeindlich und esoterisch sind. Die Mischung aus Image und Tradition macht Waldorfdschulen ebenso für (links-)alternative und ökologische wie für (rechts-)esoterische und völkische Milieus attraktiv. Der Vortrag gibt Einblick in die okkult-rassistischen Hintergründe der Steiner-Pädagogik und legt ihre Verstrickung in eine völkische und rechte Denktradtion offen.

Sebastian Lipp recherchiert und berichtet als Journalist für verschiedene Medienhäuser, darunter Zeit online, öffentlich-rechtliche Sendeanstalten und einige Tageszeitungen. Als Chefredakteur bei www.allgaeu-rechtsaussen.de sieht er bei der dortigen rechtsradikalen Szene besonders genau hin.

Vortrag Live auf Zoom: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

(Meeting-ID 959 4180 0585; kein Kenncode erforderlich, Zutritt ohne Zoom-Installation über „Join from Your Browser“ möglich)

Donnerstag, 15.07.2021: Offenes Planungstreffen. Nach dem Sommersemester = vor dem Wintersemester

Wir wollen euch natürlich auch im Wintersemester 2021/22 wieder ein ausgewogen unausgewogenes Programm bieten und treffen uns daher am letzten Donnerstag des Wintersemesters auf jitsi, um Bier zu trinken und über das Wintersemester nachzudenken. Alle, die uns kennenlernen oder in der freien uni bamberg mitmachen wollen, sind dazu sehr herzlich eingeladen.

Wir treffen uns hier: https://meet.jit.si/freieunibamberg

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 08.07.2021: JEJA KLEIN: Zum Fortleben sexueller Gewalt in linken Milieus

Linke Milieus gerieren sich gern als Gegenpol zu Phänomenen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Antisemitismus. Schilder in linken Läden lassen etwa verlauten, Sexismus werde hier nicht geduldet. Doch warum hält sich sexuelle Gewalt so hartnäckig in diesen Kreisen? Davon zeugen nicht zuletzt die ständigen Auseinandersetzungen, die vor allem Frauen zum Beispiel mit ehemaligen Partnern führen müssen. Diese Konflikte bilden jedoch nur die Spitze dessen, was in den Betten dieses »aufgeklärten Milieus« vor sich geht. So ist das Erleben von Mitgliedern linker Szenen stark geschlechtlich getrennt: Während Männer sich um wichtige politische Anliegen, Demos, Aktionen und Strategien kümmern können, befinden sich viele linke Frauen und Queers in einem ständigen Beziehungskampf um Anerkennung sowie um Räume und soziale Netzwerke, in denen sie sich frei bewegen und sicher fühlen können. Der Widerspruch zwischen dem antisexistischen Selbstbild und der sexistischen Lebenspraxis der Linken liegt auch in der massiven Unterschätzung der Tiefe begründet, mit der sich sexistische Gesellschaftsstrukturen in Denken, Fühlen und Handeln von uns allen eingraben.
 
Jeja Klein macht freien Journalismus unter anderem für neues deutschland, Supernova, analyse & kritik oder Titanic. Es hat unter anderem Philosophie und Geschichte studiert und interessiert sich insbesondere für Fragen der sexuellen Gewalt, der Männlichkeit und der männlichen Sexualität sowie für queere Themen. Jeja ist nichtbinär und wird mit den Pronomen Es und Sie angesprochen.
Der Vortrag findet in Kooperation mit Phia e.V. statt und bildet den Auftakt der Vortragsreihe »Beziehungsweise Männlichkeit – von Catcalling bis Femizid«. Weitere Vorträge werden am 22. und 29. Juli im Mjut in Leipzig und am 5. und 12. August in der Zukunft am Ostkreuz in Berlin stattfinden. Alle Vorträge werden online übertragen, nähere Infos unter www.phia-ev.de.

Link zum Vortrag: https://uni-bamberg.zoom.us/j/97399912770

Passwort: ph!a21

Beginn: 20:00

Eintritt: frei

Donnerstag, 01.07.2021: BILKE SCHNIBBE: Toxische Männlichkeit? Wie Männlichkeit und sexuelle Gewalt zusammenhängen

In einem Werbespot der Marke Gilette werden Männer aufgefordert, die beste Version ihrer selbst zu sein, und alle rasten aus. Nicht erst seit diesem Video wird heiß darüber diskutiert, was genau das eigentlich ist: Männlichkeit, und welche negativen Konsequenzen es hat, wenn Männer immer männlich sein müssen. Im Vortrag wird es um den problematischen Zusammenhang von sexueller Gewalt und Männlichkeit gehen und um die folgenden Fragen: Warum wird sexuelle Gewalt fast ausschließlich von Männern begangen? Warum ist sie so weit verbreitet und warum gibt es so wenig wirksame Maßnahmen gegen sie? Und nicht zuletzt: Wie kann uns eine radikale kritische Perspektive auf Männlichkeit helfen, diese Probleme anzugehen?

Bilke Schnibbe ist Redaktionsmitglied der linken Monatszeitung analyse & kritik und arbeitet außerdem als Psycholog*in Berlin. Aktuell sind Bilkes Themen Feminismus und Care-Arbeit, sexuelle Gewalt und Psychotherapie.

Der Vortrag findet in Kooperation mit Phia e.V. statt und bildet den Auftakt der Vortragsreihe »Beziehungsweise Männlichkeit – von Catcalling bis Femizid«. Weitere Vorträge werden am 22. und 29. Juli im Mjut in Leipzig und am 5. und 12. August in der Zukunft am Ostkreuz in Berlin stattfinden. Alle Vorträge werden online übertragen, nähere Infos unter www.phia-ev.de.                    

Link zum Vortrag: https://uni-bamberg.zoom.us/j/97399912770

Passwort: ph!a21

Beginn: 20:00

Eintritt: frei