Archiv der Kategorie: Allgemein

Donnerstag, 19.05.2022 Svenja Keitzel: »When I See Police, I See Trouble.« Warum die Polizei nicht für alle Sicherheit bedeutet.

Nicht erst seit den »Black Lives Matter«-Protesten im Sommer 2020 wird das Racial Profiling kritisiert. Für viele Schwarze Menschen, People of Color, Rom*nja und Sinti*zze gehört es zum Alltag. Polizei bedeutet für sie keine Sicherheit. Aktivist*innen und einzelne Politiker*innen forderten daher, die Polizei müsse grundlegend reformiert oder abgeschafft werden. Deutsche Innenministerien und die Polizei selbst verweigern jedoch die Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus in den Sicherheitsbehörden.

Der Vortrag beleuchtet die Institution Polizei aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive, befasst sich mit Orten, die besonders in ihrem Fokus stehen, und zeigt solidarische und widerständige Handlungsmöglichkeiten auf.

Svenja Keitzel ist Humangeographin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Polizeiforschung, Kritische Kriminologie und Stadtgeographie. Sie ist Herausgeberin des Buches »Frankfurt am Main. Eine Stadt für alle? Konfliktfelder, Orte und soziale Kämpfe«.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt FFP2-Maskenpflicht.

Donnerstag, 12.05.2022, Justin Monday „Der Ukraine-Krieg und die Gewalt der Friedensordnung“

Es ist erstaunlich, wie friedlich die Welt seit Russlands Angriff auf die Ukraine auf einmal gewesen sein will. Alle schwatzen von »unvorstellbaren Ereignissen« und phantasieren eine pazifistische Grundstimmung herbei, in der »wir« uns in der Vergangenheit gemütlich eingerichtet hätten, die sich nun aber als trügerisch erwiesen habe. Es folgte ein Crashkurs in Friedensmilitarismus, den die deutsche Öffentlichkeit mit Bestnoten und in Rekordzeit absolviert hat. Auch die Linke, die die Welt nach dem Kalten Krieg keineswegs für friedlich gehalten hat, reagiert auf die Ereignisse in der Ukraine mit sowohl Realitäts-als auch Orientierungsverlust. Dass ihr dazu nicht mehr einfällt, als sich wahlweise in den hiesigen Friedensmilitarismus einzureihen oder sich distanzlos an die russischen Opfermythen zu klammern, liegt auch an ihrer theoretischen Unfähigkeit, das Gewaltpotential der internationalen Ordnung des Kapitals anders als in stereotypen antiimperialistischen Kategorien zu begreifen. Derartige Versuche gab es nur selten und sie hinterließen auch keinen bleibenden Eindruck. Der Vortrag erörtert, inwiefern im Ukraine-Krieg die Gewaltförmigkeit der kapitalistischen Friedensordnung zum Vorschein kommt.

JustIn Monday betreibt in Hamburg Kritische Theorie.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1

Beginn: 20:00 Eintritt: frei, Spende erwünscht

Bitte teste euch vorher. Innen gilt Maskenpflicht.

Donnerstag, 05.05.2022, Chris Wilpert „Alles super. Zur Popularität des Superheld:innen-Genres“

Die schiere Zahl und der Erfolg der Superheld:innen-Filme in diesem Jahrtausend provoziert die Frage: Warum sind sie so erfolgreich und beliebt? Handelt es sich nur um einen Effekt der Kulturindustrie? Sind sie so erfolgreich, weil sie zahlreiche, durchaus gegensätzliche Angebote zur Welterklärung und zur Weltflucht machen? Befriedigen sie Bedürfnisse des Publikums, weil ihre Erzählungen an Mythen anschließen, die nicht weniger wollen, als die gesamte Welt erklären? Sind Superheld:innen-Filme so beliebt, weil sie wie jedes kulturelle Phänomen auch von gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen erzählen –sei es kritisch, sei es affirmativ?

In der Heterogenität des Genres ist Raum für antikapitalistische, identitätspolitische, diverse und gebrochene Helden:innen, Antihelden und Außenseiter:innen, aber auch für proto-faschistische Fantasien und neoliberale Selfmade-Men. Aber enthalten sie auch eine Kritik an der neoliberalen Ideologie und der politischen Ökonomie, wie die Rezeption in den Cultural Studies es unterstellt?

Chris W. Wilpert ist Übersetzer, Redakteur einer marxistischen Zeitschrift und schreibt u. a. für Jungle World, Neues Deutschlandund Phase 2. In der freien uni hat er zuletzt über Leo Löwenthal und die Aktualität der Kritischen Theorie gesprochen.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher! Innen gilt während der gesamten Veranstaltung FFP2-Maskenpflicht! (auch am Platz)

+++ ALTERNATIVER EINFÜHRUNGSTAG +++ Freitag 29.04.2022 16-20 Uhr

Zu Beginn des Sommersemesters stellen sich Bamberger (Polit)gruppen wieder im Balthasar vor. Am Freitag, 29.4. von 16-20 Uhr könnt ihr euch über Plakate, Vorstellungsvideos und im Gespräch über Bamberger Gruppen informieren, was sie machen, wann sie sich treffen, wie ihr mitmachen könnt etc. Ihr könnt euch auch einfach an den Tresen setzen und nichts tun. Auch ok. Aber bitte alle mit FFP2-Maske. Bis dahin. Eure fub. Mehr Infos hier: AET

Donnerstag, 28.04.2022, KRUPSKI „Die Knittrigen“, Lesung, juz Bamberg

Sie müssen liefern, teilen aus und sie stecken ein: Die verschuldeten, psychotischen, vernachlässigten, abgebrühten und zukünftigen Lohnabhängigen. Vorbei an bröckelnden Fassaden, glatten Oberflächen leerer Regale und stillen Korridoren, wo die Wirklichkeit unmittelbar zuschlägt und Träume verwelken. Krupski skizziert die Verrohrung in den Milieus und klagt einen ansteigenden Leistungsdruck an, dem sich schwer zu entziehen ist. Die Portraits handeln vom Hadern und dem widerspenstigen Sein in vorbestimmten Rahmen entsprechen zu müssen.

„Ein Buch wie ein Film Noir über das Ende des Kapitalismus, in dem die Rastlosen ausrasten, Menschen in Funktionskleidern nicht mehr funktionieren und Sprachlose Erpresserbriefe schreiben. “Buchrezension: http://hdiyl.de/krupski-die-knittrigen

KRUPSKI wurde 1984 geboren, ist Lohnabhängiger, Schreihals und Texter der Postpunk Band schubsen. Krupski schreibt unter seinem Pseudonym Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte und Liedtexte. 2015 veröffentlichte er gemeinsam mit Bird Berlin die Gedichtsammlung „Bitterhonig & Der Klang des Taumelns“. 2017 folgte mit „Nach dem Autoscooter links – Erzählungen“ und mit „Die Knittrigen“ weitere Veröffentlichungen.

www.facebook.com/iamkrupski
www.instagram.com/krupski_krupski
www.krupskishop.bigcartel.com

Bei der Veranstaltung gilt im Innenraum, die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske! Die Inzidenzen sind immer noch hoch – bitte testet euch vorher.

Beginn: 20:00

Ort: JUZ Bamberg, Margaretendamm 12a

Eintritt/Zugang: frei, Spende is ok

Donnerstag, 10.02.2022 Julia Ingold: Weibliche Selbstermächtigung in der deutschsprachigen Lyrik von Else Lasker-Schüler bis Schwesta Ewa

Aus weiblicher Perspektive stellen sich Kultur und Politik anders dar, als sie sich in Geschichtsbüchern niederschlagen. Die weibliche Stimme ist eine prekäre. Insofern es sie überhaupt gibt, wird sie nicht gehört und sie verfliegt, anstatt in einen Kanon einzugehen. Das Motiv der Prostituierten in der Literatur etablierte sich, während sich das kapitalistische Wirtschaftssystem im 19. Jahrhundert festigte. Die Prostituierte als literarische Figur wurde zur ultimativen Allegorie des Warenfetischismus. Die Stimme der Prostituierten in der kapitalistischen Realität ist selbst subaltern und machtlos. Egal wie sie dargestellt werden, solange sie nicht für sich selbst sprechen, sind Frauen sprachlose Objekte in den »Klassikern« männlicher Autoren. Mit der aufkommenden und erstarkenden Frauenbewegung mehren sich die weiblichen Stimmen im Literaturbetrieb. Und die subalterne, promiskuitive bis prostituierte Frau beginnt für sich selbst zu sprechen. Die Spur der emanzipierten und emanzipatorischen weiblichen Stimme lässt sich bis heute verfolgen. Die als problematisch geltende Rapperin und ehemalige Prostituierte Schwesta Ewa dreht den Spieß allerdings um. Sie spricht nicht mehr nur für sich, sondern versteht sich als Sprachrohr der Unterklasse.

Julia Ingold ist Literaturwissenschaftlerin an der Uni Bamberg. Ihre Doktorarbeit hat sie über die deutsch-jüdische Avantgarde-Künstlerin Else Lasker-Schüler geschrieben. Ansonsten beschäftigt sie sich mit Comics, Popmusik und Literaturtheorie.

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 03.02.2022 Eike Sanders & Thomas PORENA: »Eisen und Feuer«: Warum die Taten der rechtsterroristischen »Gruppe Ludwig« aus dem Bild gefallen und ihre Opfer in Vergessenheit geraten sind


1984 wurde die junge Barangestellte Corinna Tartarotte bei einem Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool in München durch die italienisch-deutsche rechtsterroristische Gruppe Ludwig ermordet. Die Opfer der Mord- und Anschlagsserie, die zwischen 1977 und 1984 insgesamt 15 Menschen – Sinto, Schwule, Sexarbeiter*innen, Drogenkonsumenten, Priester und Sexkino- und Diskothekenbesucher*innen in Norditalien und eben München – das Leben kostete, sind bis heute nur selten Teil des Gedenkens an die Kontinuität rechten Terrors und ihrer Analyse. Die Veranstaltung ruft die Geschichte in Erinnerung und begibt sich damit auf eine Spurensuche nach der Rolle extrem rechter Sexualmoral, patriarchaler Geschlechtervorstellungen und der vermeintlichen Bekämpfung von »Sittenverfall«, Dekadenz und »Unreinheit« im Rechtsterrorismus und bei seinen ideologischen Vordenker*innen.

Eike Sanders ist Sozialwissenschaftlerin, Autorin und Bildungsreferentin. Sie ist Mitglied des Autorinnenkollektivs Feministische Intervention (AK Fe.In), des Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus und des Netzwerkes NSU-Watch.

Thomas Porena ist Historiker und Bildungsreferent. Er forscht zu Faschismus und südosteuropäischer Geschichte.

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag 27.01.22: Andreas Rauscher: Wie Star TREK DIE WELT VERÄNDERT HAT

»Unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen« ist ein Motto der Vulkanier aus dem »Star Trek«-Universum, das auch als inhaltliches Gestaltungsprinzip der »Star Trek«-Serie(n) gelten kann. Als eine der wenigen Utopien der Science-Fiction-Geschichte verhandelt »Star Trek« gesellschaftliche, kulturelle und politische Themen immer wieder neu – von der Situation des Kalten Krieges der 1960er über die Versprechen der Virtuellen Realität in den 1990ern bis hin zu den Migrationsbewegungen der Gegenwart. »Star Trek« ist ein prägendes Phänomen der Popkultur mit einer seit Jahrzehnten aktiven Fankultur. Neben der Funktion als diskursives Versuchslabor im Format einer ebenso komplexen wie unterhaltsamen Serie, hat »Star Trek« technische Innovationen vom Mobiltelefon bis hin zum MP3-Player inspiriert. Der Vortrag begibt sich auf eine Spurensuche durch 55 Jahre Seriengeschichte, veranschaulicht die wesentlichen Paradigmen und Diskurse der Serie und nimmt auch die aktuellen Entwicklungen des Serienkosmos in den Blick.PD Dr. habil. Andreas Rauscher lehrt Filmwissenschaft in Mainz, Siegen, Kiel, Potsdam und an der Filmakademie Ludwigsburg. Er schreibt für epd Film, testcard, Splatting Image u.a. und hat eine Monographie über das Phänomen »Star Trek« veröffentlicht. Demnächst erschienen Bücher zu David Lynch und John Carpenter.

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei

Donnerstag, 20.01.22: DOROTHEA HELLENTHAL: Widerstand unter Plastik. Gewerkschaftliche Kämpfe im Gemüseanbau in Südspanien

Im Süden Spaniens rund um die Städte Almeria und El Ejido befindet sich Europas höchste Gewächshauskonzentration. Hier im sogenannten »Plastikmeer« wird ein Großteil des spanischen Exportgemüses angebaut. Die Folgen für die Umwelt sind verheerend und die Arbeits- und Lebensbedingungen der meist migrantischen Arbeiter*innen schockierend. Geltendes Arbeitsrecht wird hier nur selten eingehalten. Die Arbeitgeber*innen drücken sich darum, Mindestlöhne, Pausenzeiten und Arbeitsschutz zu gewähren. An kaum einem anderen Ort sind die perfiden Ausmaße des neoliberalen Kapitalismus so sehr zu spüren wie hier. Doch fromiert sich auch immer mehr Widerstand. Einige Arbeiter*innen organisieren sich in Gewerkschaften und anderen Zusammenschlüssen. Der Vortrag schildert die Situation der Arbeiter*innen in Almeria sowie ihren Widerstand und möchte dazu einladen, sowohl die bestehende Situation als auch mögliche Auswege aus ihr zu diskutieren.

Dorothea Hellenthal ist gewerkschaftlich aktiv und war 2019 zwei Monate mit dem Interbrigadas eV in Almeria, um die Arbeit der Gewerkschaft Soc-Sat zu unterstützen. Sie hat mehrere Artikel zu den dortigen Arbeitsbedingungen in veröffentlicht.

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei