Donnerstag, 14.11.2019: TINA SANDERS: Zur Situation der Frauen im Iran

Der Vortrag will die Situation von Frauen im Iran als Opfer der Unterdrückung sowohl durch das iranische Regime als auch durch iranische Männer erläutern. Außerdem wird die Rolle der Frau im Islam generell und im Besonderen als Täterinnen innerhalb der iranischen Moralpolizei erläutert. Am Beispiel von Aktivistinnen wie Masih Alinejad wird verdeutlicht, dass es im Iran auch widerständige Frauen gibt.

Tina Sanders lebt als Politologin und Aktivistin in Leipzig und schreibt gelegentlich u. a. für Sans Phrase, Jungle World und den Platypus Review.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1 (zwischen Schranne und Kaulberg)

Beginn: 20:00

Eintritt: frei

Donnerstag, 24.10.2019: THOMAS BOLLWEIN: ANKER-Zentren – eine neue Dimension restriktiver Asylpolitik?


Sogenannte »ANKER-Zentren« existieren seit August 2018. Sie institutionalisieren eine in Bayern erprobte Lagerpolitik, durch die seit Jahren an einer Verschärfung der Asylpolitik durch Lagerunterbringung gearbeitet wird. Der CSU gilt das Bayerische Modell als »Vorzeigemodell«, das Stück für Stück auch auf Bundesebene eingeführt werden soll. Für die Geflüchteten bedeutet es weniger Rechte. Was in den Lagern vor sich geht, ist schwer zu kontrollieren. Schikanen durch Behörden, Sicherheitsdienst und Polizei sind an der Tagesordnung. Zwar machen Geflüchtete immer wieder durch Demonstrationen und politische Aktionen auf ihre Lage aufmerksam, doch werden ihre Proteste öffentlich kaum wahrgenommen. Der Vortrag gibt einen Überblick über das Konzept »ANKER-Zentren« und skizziert Entstehung, rechtliche Rahmenbedingungen und die konkreten Probleme der Flüchtlingslager in Bayern.
 
Thomas Bollwein promoviert am Lehrstuhl für
Arbeitswissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zum Thema »Wohlfahrtsstaat und rechtsextreme
Einstellungen« und arbeitet seit 2017 für den Bayerischen Flüchtlingsrat. Zuletzt hat er in der Freien Uni über das Thema »Abstiegsangst – Kann der Wohlfahrtsstaat die Rechten aufhalten?« gesprochen.
Der Vortrag findet in Kooperation mit Freund statt fremd, Bamberg statt.
   
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 25.07.2019: STEPHAN ALBRECHT: Die Architektur der schöpferischen Zerstörung

Walter Benjamin war einer der ersten, der über das Verhältnis von Geld und Religion geschrieben hat. Neuere soziologische Studien haben herausgearbeitet, wie stark Geldinstitute vom schöpferischen Potential ihrer Mitarbeiter_innen abhängen. »Schöpferische Zerstörung« nannte dies der Nationalökonom Alois Schumpeter zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Vortrag wird zeigen, wie dieses Paradoxon die Selbstdarstellung von Banken um die Jahrtausendwende geprägt hat.
 
Stephan Albrecht ist seit 2009 Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 18.07.2019: TOM DAVID UHLIG & ANDREAS FISCHER: Verpönte Erfahrung. Videospiele als Realitätszugang

Die Kids vergraben sich zuhause vor Konsolen und Rechnern, zocken Nächte durch und vermeiden so, sich dem »wahren Leben« da draußen zu stellen, das sie überfordert und einschüchtert – so oder so ähnlich geht ein gängiger Alltagsdiskurs über den Konsum von Videospielen. Gaming wird dabei aus der Realität ausgeklammert oder zum Methadonprogramm für Wirklichkeitsflüchtige, bei dem diese sich größer fühlen dürfen, als sie es in Wahrheit sind. Dabei sind Videospiele selbstverständlich Bestandteil der Wirklichkeit: Der Drache in World of Warcraft ist als Niederschlag menschlicher Praxis ebenso echt wie das nächstgelegene Fußballfeld. Erfahrungen, die mit Videospielen gemacht bzw. in ihnen gesammelt werden, sind gesellschaftlich verpönt, außer das Feuilleton bescheinigt ihnen, Kunst zu sein. Was aber macht trotz ihrer weitverbreiteten sozialen Geringschätzung Videospiele so attraktiv? Welche Erfahrungen lassen sich mit ihnen machen? Warum spielen Leute in ihrer Freizeit Arbeitssimulatoren, warum Spiele, die viel zu schwer sind? Warum sind die Spiele von früher am besten? Und warum stimmt das überhaupt nicht? Andreas Fischer und Tom Uhlig nehmen den Abend zum Anlass, um zwischen Plauderei, Begeisterungsanfällen und Niedergeschlagenheit, Let’s Play und Kunstkritik mit anderen Mitteln über diese Fragen zu schwadronieren.
 
Andreas Fischer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der FAU Erlangen-Nürnberg und forscht zum Verhältnis Jugendlicher zur Erwerbsarbeit sowie zu aktueller Popkultur. Tom David Uhlig hat u. a. Psychologie in Frankfurt studiert. Er ist Mitarbeiter der Bildungsstätte »Anne Frank« und Mitherausgeber der Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie Freie Assoziation.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 11.07.2019: ANDREAS KALLERT: »Theorie der Widersprüche selbst«. Mit Gramsci das Scheitern der Linken verstehen?

Die wesentliche Erkenntnis im Staatsverständnis des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci liegt darin, den Staat nicht auf die Apparate selbst zu beschränken, sondern die so genannte »Zivilgesellschaft« ebenso als Teil des Staates zu begreifen. Der »integrale Staat« verbindet Gewalt und Konsens, Repression und Moral. Insbesondere Hegemonie als konsensbasierte Form von Herrschaftsausübung im Kapitalismus spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Diskurse in der Zivilgesellschaft sind daher Teil staatlicher Herrschaft, die durch die stets präsente Gewalt abgesichert ist: »Hegemonie, gepanzert mit Zwang«. Gramscis Ideen sind vor dem Hintergrund des Scheiterns der europäischen Linken zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Auch die Gegenwart bietet leider zahllose Beispiele des Scheiterns, Versagens und der strukturellen Folgenlosigkeit linker Interventionen: der Nazi-Terror des NSU, das Sterben in deutschen Polizeizellen, die organisierten Verbrechen der Autowirtschaft oder die Folgen des Klimawandels. Nach einer Einführung in Gramscis Staatsverständnis soll diskutiert werden, inwiefern wir mit seiner »Theorie der Widersprüche selbst« die konsequente Fortführung des immergleichen Elends besser verstehen und kritisieren können.
 
Andreas Kallert ist Politikwissenschaftler, arbeitet an der Universität Marburg zu Bankenrettungen in Europa und verdingt sich nebenbei als kritischer Beobachter des NSU-Komplexes und anderer Katastrophen. Zuletzt hat er in der freien uni bamberg über den national-autoritären Wettbewerbsstaat gesprochen.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 27.06.2019: FELIX BOHR: Kriegsverbrecherhilfe – Wie die Bundesregierungen NS-Täter_innen unterstützten

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg waren in zahlreichen westeuropäischen Ländern NS-Kriegsverbrecher_innen inhaftiert. Im Zuge der Westbindung der Bundesrepublik wurden die meisten von ihnen entlassen. Lediglich in Italien und den Niederlanden verblieben insgesamt fünf Deutsche im Gefängnis: der SS-Mann Herbert Kappler, als Kommandeur der Sicherheitspolizei verantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen, sowie die »Vier von Breda«, die maßgeblich an der Ermordung der niederländischen Juden und Jüdinnen beteiligt gewesen waren. Hochrangige deutsche Politiker_innen, unter ihnen die Bundeskanzler Brandt und Schmidt, setzten sich für ihre Freilassung ein. In der Bundesrepublik formierte sich eine einflussreiche Interessenvertretung für die im Ausland inhaftierten NS-Täter_innen, die intensive Hilfe leistete.
 
Felix Bohr ist Historiker und Journalist. Er hat Geschichte und Katholische Theologie in Berlin und Rom studiert und wurde in Göttingen über die bundesdeutsche »Kriegsverbrecherlobby« promoviert. Er arbeitet als Redakteur im Deutschlandressort des Spiegel.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 13.06.2019: VERONIKA KRACHER: Incels – Geschichte, Sprache und Ideologie eines misogynen Online-Kults

»Incel« ist eine Kurzform für »Involuntary Celibates« – also für unfreiwillig im Zölibat Lebende. Die »Incel«-Ideologie behauptet, Männer hätten ein angeborenes Recht auf Sex. Frauen, die sich ihnen verweigern, müssen daher verurteilt und bestraft werden. Der Frust über den vorenthaltenen Sex findet im Internet ein Ventil, wo sich Gleichgesinnte über die als »Femoids« dehumanisierte Frauen austauschen und das eigene Image als Opfer von Feminismus und Gesellschaft pflegen. Sowohl Selbst- als auch Frauenhass bestimmen das Dasein der Incels. Die permanente vermeintliche Kränkung wird untragbar; Wiedergutmachung kann sie nur im misogynen Terror erlangen. Der Vortrag liefert einen sozialpsychologischen und feministischen Einblick in die wohl toxischste Subkultur, die Patriarchat und Internet bisher hervorgebracht haben.
Content Warning: Der Vortrag thematisiert sexuelle Gewalt gegen Kinder und Erwachsene.
 
Veronika Kracher studiert(e) Soziologie und Literatur und arbeitet als freie Journalistin. Neben materialistisch-feministischer Gesellschafts- und Kulturtheorie arbeitet sie momentan vor allem zur Alt Right-Bewegung und der neuen Rechten.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 06.06.2019 : LOTHAR GALOW-BERGEMANN: Digitalisierung. Die Chance für ein besseres Leben ergreifen!

Die Stichworte »Industrie 4.0« und »Digitalisierung der Arbeit« stehen für eine Dynamik der Produktivkraftentwicklung, die unsere Gesellschaft in den kommenden beiden Jahrzehnten von Grund auf verändern wird. Wir werden mit weniger Arbeit immer größere Mengen stofflichen Reichtums schaffen. Da dabei noch mehr Menschen systemlogisch »überflüssig« werden, drohen allerdings enorme soziale Verwerfungen, obwohl sich doch eigentlich ungeahnte Chancen bieten. Die öffentliche Debatte, die über all das geführt wird, wird allerdings weder der Dimension des Problems noch den neuen Möglichkeiten gerecht. Die Welt verändert sich rasend schnell, alte Rezepte taugen nichts mehr. Das Modell »Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit« gerät weltweit in die Krise. Auch in Europa. Neue Wege sind angesagt. Massive Arbeitszeitverkürzung könnte die Antwort auf eine alte Frage ermöglichen: Was heißt Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum? Allerdings nur, wenn wir aus dem Gedankengefängnis der herrschenden abstrakten Reichtumsproduktion, sprich: des Kapitalismus, ausbrechen.
 
Lothar Galow-Bergemann, ehemaliger Personalrat in zwei Großkliniken, schreibt u. a. für konkret, Jungle World und www.emafrie.de.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

Donnerstag, 30.05.2019: THOMAS BOLLWEIN: Abstiegsangst – Kann der Wohlfahrtsstaat die Rechten aufhalten?

Rechtsextreme Einstellungen sind in allen Bevölkerungsschichten anzutreffen. In Zeiten, die als wirtschaftlich unsicher wahrgenommen werden, steigt insbesondere in der Mitte der Gesellschaft die Anfälligkeit für rechte Deutungsmuster. Diese Entwicklung lässt sich mit der »Deprivations- und Desintegrationsthese« erklären. Der Deprivationsansatz geht davon aus, dass soziale Ausgrenzung und mangelnde Integrationsfähigkeit Ursachen für rechtsextreme Einstellungen sind. Welche Rolle Existenzangst, politische Ohnmachtserfahrungen und instabile soziale Beziehungen beim aktuellen Rechtsruck spielen, soll mit Hilfe europaweit erhobener Daten erklärt werden.
 
Thomas Bollwein promoviert am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zum Vortragsthema und arbeitet für den Bayerischen Flüchtlingsrat.
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
(zwischen Schranne und Kaulberg)
Beginn: 20:00
Eintritt: frei

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