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Donnerstag, 21.07.2022 Laura Schimmel: Lieferdienste, Plattformökonomie und Co. Neue Arbeitsverhältnisse und Arbeitskämpfe!

Lieferando, Gorillas und Co. – jeder kennt sie und ihre Fahrradkurier:innen. Dieses neue Phänomen der Arbeitswelt basiert auf weitgehend unregulierter und prekärer Arbeit, und es stellt Gewerkschaften vor neue Herausforderungen: Alle Fahrer:innen, die sogenannten »Rider«, haben unbefristet Arbeitsverträge. Wer sich wehrt, wird nicht verlängert – dies trifft auch Betriebsrät:innen. Denn der Kündigungsschutz schützt sie vor Kündigungen, nicht aber davor, dass ihr Arbeitsvertrag ausläuft. Ausbeutung 2.0.: Für Mindestlohn müssen die Rider ihr eigenes Handy, Datenvolumen und Rad einbringen. Sie arbeiten im Straßenverkehr unter gefährlichen Bedingungen. Wer viele Aufträge schafft, bekommt einen Bonus, rote Ampel hin oder her. Gewerkschaftliche Organisation und Betriebsratsgründungen werden massiv bekämpft. Trotz dieser unmöglichen Bedingungen haben sich die Rider von Lieferando erfolgreich in der Gewerkschaft NGG organisiert. Inzwischen gibt dort schon seit vier Jahren Betriebsräte, aller Widrigkeiten zum Trotz. Die Rider haben mit gewerkschaftlichem Rechtsschutz die Entfristung aller Verträge und Diensthandys samt Datenvolumen durchgesetzt. Jetzt steht der nächste große Schritt an: Die Rider von Lieferando möchten einen Tarifvertrag erkämpfen.

Laura Schimmel ist Politologin und Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft NGG und hat 2018 die erste deutsche Betriebsratsgründung bei Foodoro und Deliveroo begleitet. Sie betreut den Betriebsrat von Lieferando Nürnberg-Fürth, der der einzige bayrischen Betriebsrat bei Lieferdiensten darstellt – bis jetzt.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt Maskenpflicht.

SAMSTAG, 16.07.2022 Jubiläumsparty! 15 Jahre Freie Uni Bamberg mit Vortrag + Musik + Tombola + Aftershowparty

Die freie uni bamberg organisiert inzwischen seit über 15 Jahren Vorträge zu Themen aus Politik, Gesellschaft, Geschichte und (Pop)Kultur. Das und alle Menschen, die daran mitgewirkt haben, zu den Vorträgen kamen, mitdiskutiert haben, am Tresen hingen, Ideen hatten, Hefte geklebt haben oder über das neueste Plakat-Layout gegrübelt haben, gilt es zu feiern. Um den Kopf freizubekommen für neue Ideen und neue (alte) Themen muss auch mal getanzt werden. Kommt vorbei und lasst uns auf die nächsten 15 Jahre und all die kommenden Gesichter und Geschichten anstoßen, die dieses Projekt weitertragen werden.

PROGRAMMABLAUF

17 Uhr Einlass JuZ Bamberg (Margarethendamm 12a)
18 Uhr VORTRAG
„Ein worst-of aus zehn Jahren NSU-Komplex“
von ANDREAS KALLERT & VINCENT GENGNAGEL

15 Jahre fub = 10 ½ Jahre Diskussionen um den NSU und die Verstrickung diverser Behörden. Zeit für eine kleine Rückschau! Zuletzt zum 10. Jahrestag der Aufdeckung des National-Sozialistischen-Untergrunds (NSU) erfuhr der organisierte rechte Terror erneut etwas mehr Aufmerksamkeit – und auch der NSU 2.0 ist hin und wieder Thema. Aber nicht genug! Über ein Dutzend parlamentarische Untersuchungsausschüsse sowie zahllose Recherchen von Antifa und Journalist:innen haben eine kaum zu bewältigende Menge an Informationen hervorgebracht. Die übliche Rede von endlosen Pannenserien und dem bedauerlichen Versagen der Sicherheitsbehörden, so offenkundig unhaltbar sie in vielen Aspekten ist, hat sich im hegemonialen Diskurs zum gesamten NSU-Komplex durchgesetzt.

Das Potential für eine veritable Staatskrise wäre aufgrund der vielfachen Verstrickungen staatlicher Organe in die rechte Mordserie zwar gegeben, wurde und wird aber durch die Torpedierung öffentlicher Aufklärung mit zunehmender Routine abgewendet und dient inzwischen sogar als Nachweis dafür, dass man aus der Geschichte (mal wieder) gelernt habe. Aber was eigentlich? Um das zu diskutieren, möchten wir in unserem Vortrag schlaglichtartig eine Auswahl der skandalösesten, entlarvendsten und zugleich skurrilsten Geschichten aus dem NSU-Komplex in Erinnerung rufen.

Andreas Kallert und Vincent Gengnagel bringen seit den Anfängen der fub unangenehme Themen in angenehmer Runde, seit 2011 meistens mit NSU-Bezug.

ab 20 Uhr Musik mit
b0rg (chiptune und digital hardcore)
DJ Robert (Post-Punk & Wave)

21.45 Uhr Große Jubiläums Tombola-Verlosung mit Qualitätsgarantie

22 Uhr Das JUZ ist brav und schließt die Tore, daher gehen wir weiter ins Balthasar zur After-Show-Party (Balthasargäßchen 1)! Dort heißt es musikalisch: BRING YOUR OWN RECORD (CD/VINYL/TAPE)


Eintritt gegen Spende, testet euch vorher und tragt Maske so oft es geht

DIESER VORTRAG MUSS LEIDER ENTFALLEN! Donnerstag, 07.07.2022 »Russland wird frei sein!« Demokratiebewegung und Zivilgesellschaft in Russland

VORTRAG MUSS LEIDER WEGEN KRANKHEIT ENTFALLEN

Die Hoffnung Putins Regime stürzen zu können, die am Anfang des russischen Angriffskrieges in der Ukraine in der russischen Opposition und Zivilgesellschaft gehegt wurde, schwindet allmählich. Das autoritär regierte Land, in dem sich die Repressionen von Seiten des Staates zunehmend verschärften, hat sich spätestens seit Kriegsbeginn in eine totalitäre Diktatur verwandelt. Zwar gibt es noch immer mutige Aktivist:innen, die weiterhin auf die Straßen gehen und gegen Russlands Offensive in der Ukraine protestieren, doch ihre Zahl schwindet, weil die Strafen, die sie erwarten, immer drakonischer werden, und viele das Land aus Angst vor politischer Verfolgung verlassen. Wie kann eine Opposition unter einem solchen Regime weiter existieren, was ist noch von ihr übrig, wer ist Teil davon, wie hat sich ihre Zusammensetzung in den vergangenen Jahren verändert und hat sie überhaupt eine Chance, Einfluss auf die russische Politik zu nehmen?

Im Vortrag werden unterschiedliche oppositionelle Strömungen in Russland vorgestellt, ihre Entwicklung historisch nachgezeichnet und in den aktuellen politischen Kontext eingeordnet. Denn –Überraschung: Es gibt weitaus mehr als Aleksej Nawalny.

Anastasia Tikhomirova ist freie Journalistin, taz-Lab-Redakteurin und IJP-Stipendiatin. 2021 hat sie als Gastredakteurin bei der russischen oppositionellen Zeitung Novaya Gazeta gearbeitet.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt Maskenpflicht.

Donnerstag, 30.06.2022 Julia Ingold: Warum ich Keine Männer mehr Lese…Die Autopsie einer Ermüdung

Natürlich lese ich noch Bücher von Männern. Eine kommt ja nicht darum herum, besonders ich als Literaturwissenschaftlerin nicht. Ich habe jahre-und jahrzehntelang überwiegend Männergelesen. Das kommt wie von selbst. Die Einsamkeit und Tragik meiner jugendlichen Existenz haben mir Kafka, Hesse und Salinger versüßt. Heute bin ich an dem Punkt, dass ich mich langweile. Die hegemoniale Stimme eines selbstmitleidigen Größenwahns –ich kann sie nicht mehr hören. Ich will jetzt die anderen Geschichten kennenlernen: »Schick mir einen Schreiber, oder besser noch, eine junge Sklavin mit scharfem Gedächtnis und kraftvoller Stimme. Verfüge, daß sie, was sie von mir hört, ihrer Tochter weitersagen darf: Die wieder ihrer Tochter, und so fort. So daß neben dem Strom der Heldenlieder dies winzige Rinnsal, mühsam, jene fernen, vielleicht glücklicheren Menschen, die einst leben werden, auch erreichte«, schreibt Christa Wolf in »Kassandra«. Ich habe mein Leben lang überwiegend Männer gelesen, weil unsere Gesellschaft das so vorsieht. In meinem Vortrag möchte ich von der anderen Seite auf den Lektürekanon blicken. Ich möchte Studien, Theorien und eigene Spekulationen über das »Rinnsal« vorstellen, wie Christa Wolf es nennt. Mein Vortrag ist eine Rechtfertigung: Warum ich keine Männer mehr lese.

Julia Ingold ist Literaturwissenschaftlerin an der Uni Bamberg. Ihre Doktorarbeit hat sie über die deutsch-jüdische Avantgarde-Künstlerin Else Lasker-Schüler geschrieben. Ansonsten beschäftigt sie sich mit Comics, Popmusik und Literaturtheorie. Zuletzt hat sie in der freien uni über das Thema »Weibliche Selbstermächtigung in der deutschsprachigen Lyrik von Else Lasker-Schüler bis Schwesta Ewa« gesprochen.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei
Bitte FFP2-Maske mitbringen!

Donnerstag, 23.06.2022 CONSTANTIN GANß: Antisemitismus und Weltherrschaftsgedanken: Hitlers »Mein Kampf« und Khomeinis »Der islamische Staat«

»Von Hitlers Hasspredigt einen direkten Weg nach Auschwitz zu konstruieren, wäre viel zu einfach. Noch problematischer wäre es, eine solche Verbindung einfach zu ignorieren.« Ausgehend von diesem Satz aus der kritischen Edition von »Mein Kampf« von 2016 beschäftigt sich der Vortrag mit Antisemitismus in Hitlers Buch und in der politischen Grundschrift des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini: »Der islamische Staat«. Der Iran kann heute als größte Gefahr für eine erneute Judenvernichtung angesehen werden. Die Methode des »historischen Vergleich« ermöglicht es, der Ideologie Khomeinis näher zu kommen und die Bedeutung, Herkunft und Ausprägung des Antisemitismus in der iranischen Staatsideologie historisch einzuordnen.

Constantin Ganß hat im Bachelor Geschichte und Politikwissenschaft an der Uni Bamberg studiert und ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bamberg. Daneben arbeitet er beim Internationalen Institut für Bildung, Sozial-und Antisemitismusforschung e.V. (IIBSA) in Berlin.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt FFP2-Maskenpflicht.

Donnerstag, 09.06.22 SEBASTIAN LIPP: Waldorfschulen und völkische Bewegung

Waldorfschulen gelten als fortschrittliche Alternative zur staatlichen Beschulung. Dennoch steht die Waldorfpädagogik bis heute in der Tradition ihres Gründers Rudolf Steiner, dessen angeblich durch hellseherische Einsichten erworbene Überzeugungen zutiefst rassistisch, autoritär, wissenschaftsfeindlich und esoterisch sind. Die Mischung aus Image und Tradition macht Waldorfdschulen ebenso für (links-)alternative und ökologische wie für (rechts-)esoterische und völkische Milieus attraktiv. Der Vortrag gibt Einblick in die okkult-rassistischen Hintergründe der Steiner-Pädagogik und legt ihre Verstrickung in eine völkische und rechte Denktradtion offen.

Sebastian Lipp recherchiert und berichtet als Journalist für verschiedene Medienhäuser, darunter Zeit online, öffentlich-rechtliche Sendeanstalten und einige Tageszeitungen. Als Chefredakteur bei www.allgaeu-rechtsaussen.de sieht er bei der dortigen rechtsradikalen Szene besonders genau hin.

Der Vortrag wurde vorab vom Referenten aufgezeichnet und wird als Video im Balthasar sowie online über YouTube übertragen.

Beginn: 20 Uhr
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1, Eintritt frei
Bitte FFP2-Maske mitbringen

Falls ihr nicht ins Balthasar kommen könnt, findet ihr den Vortrag ab Donnerstag, 20:15 Uhr auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=WVV1EfXcxfU

Donnerstag, 02.06.2022 Kai Richarz „Antifa heißt Angriff!? Die Provinz und ihre Neonazis zur Wende-Zeit“

Südthüringen erscheint angesichts des größten Neonazi-Festivals in Europa, das 2017 in Themar stattfand, sowie der Bundestagskandidatur von Hans-Georg Maaßen für die CDU (2021) in einem ausgesprochen »rechten« Licht. Das war nicht immer so, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Der Vortrag erläutert, wie sich der Neonazismus im (ehemaligen) Bezirk Suhl entwickelt hat und wie dort mit ihm in den 1990ern umgegangen wurde. (Nazi-)Skins haben sich in Südthüringen spät in den 1980ern entwickelt und erst nach der sogenannten Wende kamen sie aus ihren Löchern gekrochen. Eine starke und mitunter militante Antifa-Szene heizte ihnen ein. Erst die bayerisch angeleitete Polizeiarbeit, ein politisch motivierte Extremismustheorie und nicht zuletzt historische Kontinuitäten in der politischen Kultur haben die heutigen Verhältnisse in der traditionell »roten Stadt« etabliert.

Kai Richarz stammt aus Südthüringen, ist Zeithistoriker und lebt in Berlin.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00
Eintritt: frei
Bitte testet euch vorher, innen gilt weiterhin Maskenpflicht (auch am Platz)

Donnerstag, 19.05.2022 Svenja Keitzel: »When I See Police, I See Trouble.« Warum die Polizei nicht für alle Sicherheit bedeutet.

Nicht erst seit den »Black Lives Matter«-Protesten im Sommer 2020 wird das Racial Profiling kritisiert. Für viele Schwarze Menschen, People of Color, Rom*nja und Sinti*zze gehört es zum Alltag. Polizei bedeutet für sie keine Sicherheit. Aktivist*innen und einzelne Politiker*innen forderten daher, die Polizei müsse grundlegend reformiert oder abgeschafft werden. Deutsche Innenministerien und die Polizei selbst verweigern jedoch die Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus in den Sicherheitsbehörden.

Der Vortrag beleuchtet die Institution Polizei aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive, befasst sich mit Orten, die besonders in ihrem Fokus stehen, und zeigt solidarische und widerständige Handlungsmöglichkeiten auf.

Svenja Keitzel ist Humangeographin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Polizeiforschung, Kritische Kriminologie und Stadtgeographie. Sie ist Herausgeberin des Buches »Frankfurt am Main. Eine Stadt für alle? Konfliktfelder, Orte und soziale Kämpfe«.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt FFP2-Maskenpflicht.

Donnerstag, 12.05.2022, Justin Monday „Der Ukraine-Krieg und die Gewalt der Friedensordnung“

Es ist erstaunlich, wie friedlich die Welt seit Russlands Angriff auf die Ukraine auf einmal gewesen sein will. Alle schwatzen von »unvorstellbaren Ereignissen« und phantasieren eine pazifistische Grundstimmung herbei, in der »wir« uns in der Vergangenheit gemütlich eingerichtet hätten, die sich nun aber als trügerisch erwiesen habe. Es folgte ein Crashkurs in Friedensmilitarismus, den die deutsche Öffentlichkeit mit Bestnoten und in Rekordzeit absolviert hat. Auch die Linke, die die Welt nach dem Kalten Krieg keineswegs für friedlich gehalten hat, reagiert auf die Ereignisse in der Ukraine mit sowohl Realitäts-als auch Orientierungsverlust. Dass ihr dazu nicht mehr einfällt, als sich wahlweise in den hiesigen Friedensmilitarismus einzureihen oder sich distanzlos an die russischen Opfermythen zu klammern, liegt auch an ihrer theoretischen Unfähigkeit, das Gewaltpotential der internationalen Ordnung des Kapitals anders als in stereotypen antiimperialistischen Kategorien zu begreifen. Derartige Versuche gab es nur selten und sie hinterließen auch keinen bleibenden Eindruck. Der Vortrag erörtert, inwiefern im Ukraine-Krieg die Gewaltförmigkeit der kapitalistischen Friedensordnung zum Vorschein kommt.

JustIn Monday betreibt in Hamburg Kritische Theorie.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1

Beginn: 20:00 Eintritt: frei, Spende erwünscht

Bitte teste euch vorher. Innen gilt Maskenpflicht.