
Der Philosoph Nicolai Hartmann (1882-1950) entwickelte 1942 in seiner Schrift »Neue Wege der Ontologie« ein Freiheitsverständnis, das mit den Zielen rechter Ideologie eigentlich unvereinbar ist. Während diese nämlich nach der Beendigung des Widerständigen giert in Form gewaltvoller, vernichtender, die Vielfalt unterdrückender Praxis, plädiert Hartmanns Freiheitsbegriff für die Auseinandersetzung, das Aushalten der Spannung und damit auch die Wertschätzung des Anderen. »Sein«ist für Hartmann vielfältig, und wer Vielfalt zerstören will, zerstört in letzter Konsequenz dieses Sein und damit auch die Freiheit. Umso verwunderlicher ist es daher, dass »Neue Wege der Ontologie« im Rahmen der »Aktion Ritterbusch« erschienen ist, einem nationalsozialistischen Großprojekt, das unter dem Motto »Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften« stand. Der sich daraus ergebende Widerspruch soll im Vortrag skizziert und in seiner Bedeutung für das Heute diskutiert werden.
Jean Müller studiert Pädagogik und Philosophie an der Universität Bamberg und setzt sich am liebsten mit den praktischen Implikationen und Konsequenzen theoretischer Philosophie auseinander.