Donnerstag, 13.12.2018: ANNA SEIDEL: Popfeminismus und Kritik – Beyoncés Herstory, Marketplace Feminism und warum es kompliziert bleibt

PeterLicht sang 2008 »Es gibt keinen wahren Po im Falschen«, womit er das Dilemma des Pop-Fans auf den Punkt brachte. Mit dem Begehren am und im Pop, der ja Teil der kapitalistischen Verwertung ist, verhält es sich schwierig. Und selbst da, wo Pop und Feminismus zusammengehen, ergeben sich Ambivalenzen. Pop, der einmal für Dissidenz und Revolte stand, ist heute Teil einer patriarchalen Hegemonie geworden, deren Verwertungslogik er folgt. Der kritische Blick aus seinem Inneren heraus ist daher problematisch. Und doch sollte das emanzipatorische Potenzial der Popkultur auch weiterhin nicht unterschätzt werden: Wenn Beyoncé, die ihre Songs selbst schreibt und produziert, als woman of colour selbstbestimmt von Sex, Gleichberechtigung und Mutterschaft singt und in selbstproduzierten Handy-Videos mit dem Mythos der Pop-Marionette aufräumt, lässt sich sagen: Hier schwingt genau die Richtige ihren Po im Pop.

Anna Seidel ist Literaturwissenschaftlerin in Münster. Sie forscht und lehrt zu Popkultur und Feminismen, schreibt als freie Autorin u. a. für das Missy Magazine, die an.schläge und die Jungle World und ist Mitherausgeberin der testcard.

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