DONNERSTAG, 29.10.2026 CHRIS ZUNKE „Entfremdung als Objektivität“

Nicht nur am Fließband, auch im Labor hielt mit Beginn der Industrialisierung die Entfremdung Einzug. Sie manifestierte sich in einem neuen Forschungsideal, das bis heute großen Einfluss hat: die von allem Subjektiven gereinigte Objektivität. Mit diesem Fortschritt in der (Natur-)Wissenschaft wurde zugleich jede gedankliche Reflexion über ihren Sinn und ihre gesellschaftliche Funktion von der Wissenschaft abgetrennt und in einen per definitionem unwissenschaftlichen Bereich verbannt: das Private. Aus dieser Binarität von objektiven Tatsachen auf der einen Seite und ihrer bloß subjektiven Bewertung auf der anderen folgt, dass eine kritische Theorie der Gesellschaft keine objektive Geltung haben kann. So nimmt auch die Postmoderne lediglich eine subjektive »Haltung« (Foucault) ein. Der Vortrag beleuchtet die Entstehung positivistischer Wissenschaft und zeigt, wie sich die kapitalistische Ökonomie durch sie hermetisch gegen wissenschaftliche Kritik abriegelt.

Chris Zunke ist Dozent*in für Philosophie an der Uni Oldenburg mit dem Schwerpunkt Naturphilosophie. Dey sabotiert die klassische Aufteilung des Fachs in theoretische und praktische Philosophie und zeigt gerne auf, wie eng naturwissenschaftliche Forschungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft sind und dass auch klassische Fragen der Erkenntnistheorie hochpolitisch sein können.

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