Archiv der Kategorie: Allgemein

Donnerstag, 23.06.2022 CONSTANTIN GANß: Antisemitismus und Weltherrschaftsgedanken: Hitlers »Mein Kampf« und Khomeinis »Der islamische Staat«

»Von Hitlers Hasspredigt einen direkten Weg nach Auschwitz zu konstruieren, wäre viel zu einfach. Noch problematischer wäre es, eine solche Verbindung einfach zu ignorieren.« Ausgehend von diesem Satz aus der kritischen Edition von »Mein Kampf« von 2016 beschäftigt sich der Vortrag mit Antisemitismus in Hitlers Buch und in der politischen Grundschrift des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini: »Der islamische Staat«. Der Iran kann heute als größte Gefahr für eine erneute Judenvernichtung angesehen werden. Die Methode des »historischen Vergleich« ermöglicht es, der Ideologie Khomeinis näher zu kommen und die Bedeutung, Herkunft und Ausprägung des Antisemitismus in der iranischen Staatsideologie historisch einzuordnen.

Constantin Ganß hat im Bachelor Geschichte und Politikwissenschaft an der Uni Bamberg studiert und ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bamberg. Daneben arbeitet er beim Internationalen Institut für Bildung, Sozial-und Antisemitismusforschung e.V. (IIBSA) in Berlin.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt FFP2-Maskenpflicht.

Donnerstag, 09.06.22 SEBASTIAN LIPP: Waldorfschulen und völkische Bewegung

Waldorfschulen gelten als fortschrittliche Alternative zur staatlichen Beschulung. Dennoch steht die Waldorfpädagogik bis heute in der Tradition ihres Gründers Rudolf Steiner, dessen angeblich durch hellseherische Einsichten erworbene Überzeugungen zutiefst rassistisch, autoritär, wissenschaftsfeindlich und esoterisch sind. Die Mischung aus Image und Tradition macht Waldorfdschulen ebenso für (links-)alternative und ökologische wie für (rechts-)esoterische und völkische Milieus attraktiv. Der Vortrag gibt Einblick in die okkult-rassistischen Hintergründe der Steiner-Pädagogik und legt ihre Verstrickung in eine völkische und rechte Denktradtion offen.

Sebastian Lipp recherchiert und berichtet als Journalist für verschiedene Medienhäuser, darunter Zeit online, öffentlich-rechtliche Sendeanstalten und einige Tageszeitungen. Als Chefredakteur bei www.allgaeu-rechtsaussen.de sieht er bei der dortigen rechtsradikalen Szene besonders genau hin.

Der Vortrag wurde vorab vom Referenten aufgezeichnet und wird als Video im Balthasar sowie online über YouTube übertragen.

Beginn: 20 Uhr
Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1, Eintritt frei
Bitte FFP2-Maske mitbringen

Falls ihr nicht ins Balthasar kommen könnt, findet ihr den Vortrag ab Donnerstag, 20:15 Uhr auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=WVV1EfXcxfU

Donnerstag, 02.06.2022 Kai Richarz „Antifa heißt Angriff!? Die Provinz und ihre Neonazis zur Wende-Zeit“

Südthüringen erscheint angesichts des größten Neonazi-Festivals in Europa, das 2017 in Themar stattfand, sowie der Bundestagskandidatur von Hans-Georg Maaßen für die CDU (2021) in einem ausgesprochen »rechten« Licht. Das war nicht immer so, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Der Vortrag erläutert, wie sich der Neonazismus im (ehemaligen) Bezirk Suhl entwickelt hat und wie dort mit ihm in den 1990ern umgegangen wurde. (Nazi-)Skins haben sich in Südthüringen spät in den 1980ern entwickelt und erst nach der sogenannten Wende kamen sie aus ihren Löchern gekrochen. Eine starke und mitunter militante Antifa-Szene heizte ihnen ein. Erst die bayerisch angeleitete Polizeiarbeit, ein politisch motivierte Extremismustheorie und nicht zuletzt historische Kontinuitäten in der politischen Kultur haben die heutigen Verhältnisse in der traditionell »roten Stadt« etabliert.

Kai Richarz stammt aus Südthüringen, ist Zeithistoriker und lebt in Berlin.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00
Eintritt: frei
Bitte testet euch vorher, innen gilt weiterhin Maskenpflicht (auch am Platz)

Donnerstag, 19.05.2022 Svenja Keitzel: »When I See Police, I See Trouble.« Warum die Polizei nicht für alle Sicherheit bedeutet.

Nicht erst seit den »Black Lives Matter«-Protesten im Sommer 2020 wird das Racial Profiling kritisiert. Für viele Schwarze Menschen, People of Color, Rom*nja und Sinti*zze gehört es zum Alltag. Polizei bedeutet für sie keine Sicherheit. Aktivist*innen und einzelne Politiker*innen forderten daher, die Polizei müsse grundlegend reformiert oder abgeschafft werden. Deutsche Innenministerien und die Polizei selbst verweigern jedoch die Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus in den Sicherheitsbehörden.

Der Vortrag beleuchtet die Institution Polizei aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive, befasst sich mit Orten, die besonders in ihrem Fokus stehen, und zeigt solidarische und widerständige Handlungsmöglichkeiten auf.

Svenja Keitzel ist Humangeographin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Polizeiforschung, Kritische Kriminologie und Stadtgeographie. Sie ist Herausgeberin des Buches »Frankfurt am Main. Eine Stadt für alle? Konfliktfelder, Orte und soziale Kämpfe«.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher. Innen gilt FFP2-Maskenpflicht.

Donnerstag, 12.05.2022, Justin Monday „Der Ukraine-Krieg und die Gewalt der Friedensordnung“

Es ist erstaunlich, wie friedlich die Welt seit Russlands Angriff auf die Ukraine auf einmal gewesen sein will. Alle schwatzen von »unvorstellbaren Ereignissen« und phantasieren eine pazifistische Grundstimmung herbei, in der »wir« uns in der Vergangenheit gemütlich eingerichtet hätten, die sich nun aber als trügerisch erwiesen habe. Es folgte ein Crashkurs in Friedensmilitarismus, den die deutsche Öffentlichkeit mit Bestnoten und in Rekordzeit absolviert hat. Auch die Linke, die die Welt nach dem Kalten Krieg keineswegs für friedlich gehalten hat, reagiert auf die Ereignisse in der Ukraine mit sowohl Realitäts-als auch Orientierungsverlust. Dass ihr dazu nicht mehr einfällt, als sich wahlweise in den hiesigen Friedensmilitarismus einzureihen oder sich distanzlos an die russischen Opfermythen zu klammern, liegt auch an ihrer theoretischen Unfähigkeit, das Gewaltpotential der internationalen Ordnung des Kapitals anders als in stereotypen antiimperialistischen Kategorien zu begreifen. Derartige Versuche gab es nur selten und sie hinterließen auch keinen bleibenden Eindruck. Der Vortrag erörtert, inwiefern im Ukraine-Krieg die Gewaltförmigkeit der kapitalistischen Friedensordnung zum Vorschein kommt.

JustIn Monday betreibt in Hamburg Kritische Theorie.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1

Beginn: 20:00 Eintritt: frei, Spende erwünscht

Bitte teste euch vorher. Innen gilt Maskenpflicht.

Donnerstag, 05.05.2022, Chris Wilpert „Alles super. Zur Popularität des Superheld:innen-Genres“

Die schiere Zahl und der Erfolg der Superheld:innen-Filme in diesem Jahrtausend provoziert die Frage: Warum sind sie so erfolgreich und beliebt? Handelt es sich nur um einen Effekt der Kulturindustrie? Sind sie so erfolgreich, weil sie zahlreiche, durchaus gegensätzliche Angebote zur Welterklärung und zur Weltflucht machen? Befriedigen sie Bedürfnisse des Publikums, weil ihre Erzählungen an Mythen anschließen, die nicht weniger wollen, als die gesamte Welt erklären? Sind Superheld:innen-Filme so beliebt, weil sie wie jedes kulturelle Phänomen auch von gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen erzählen –sei es kritisch, sei es affirmativ?

In der Heterogenität des Genres ist Raum für antikapitalistische, identitätspolitische, diverse und gebrochene Helden:innen, Antihelden und Außenseiter:innen, aber auch für proto-faschistische Fantasien und neoliberale Selfmade-Men. Aber enthalten sie auch eine Kritik an der neoliberalen Ideologie und der politischen Ökonomie, wie die Rezeption in den Cultural Studies es unterstellt?

Chris W. Wilpert ist Übersetzer, Redakteur einer marxistischen Zeitschrift und schreibt u. a. für Jungle World, Neues Deutschlandund Phase 2. In der freien uni hat er zuletzt über Leo Löwenthal und die Aktualität der Kritischen Theorie gesprochen.

Ort: Balthasar, Balthasargäßchen 1
Beginn: 20:00 Eintritt: frei

Bitte testet euch vorher! Innen gilt während der gesamten Veranstaltung FFP2-Maskenpflicht! (auch am Platz)

+++ ALTERNATIVER EINFÜHRUNGSTAG +++ Freitag 29.04.2022 16-20 Uhr

Zu Beginn des Sommersemesters stellen sich Bamberger (Polit)gruppen wieder im Balthasar vor. Am Freitag, 29.4. von 16-20 Uhr könnt ihr euch über Plakate, Vorstellungsvideos und im Gespräch über Bamberger Gruppen informieren, was sie machen, wann sie sich treffen, wie ihr mitmachen könnt etc. Ihr könnt euch auch einfach an den Tresen setzen und nichts tun. Auch ok. Aber bitte alle mit FFP2-Maske. Bis dahin. Eure fub. Mehr Infos hier: AET

Donnerstag, 28.04.2022, KRUPSKI „Die Knittrigen“, Lesung, juz Bamberg

Sie müssen liefern, teilen aus und sie stecken ein: Die verschuldeten, psychotischen, vernachlässigten, abgebrühten und zukünftigen Lohnabhängigen. Vorbei an bröckelnden Fassaden, glatten Oberflächen leerer Regale und stillen Korridoren, wo die Wirklichkeit unmittelbar zuschlägt und Träume verwelken. Krupski skizziert die Verrohrung in den Milieus und klagt einen ansteigenden Leistungsdruck an, dem sich schwer zu entziehen ist. Die Portraits handeln vom Hadern und dem widerspenstigen Sein in vorbestimmten Rahmen entsprechen zu müssen.

„Ein Buch wie ein Film Noir über das Ende des Kapitalismus, in dem die Rastlosen ausrasten, Menschen in Funktionskleidern nicht mehr funktionieren und Sprachlose Erpresserbriefe schreiben. “Buchrezension: http://hdiyl.de/krupski-die-knittrigen

KRUPSKI wurde 1984 geboren, ist Lohnabhängiger, Schreihals und Texter der Postpunk Band schubsen. Krupski schreibt unter seinem Pseudonym Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte und Liedtexte. 2015 veröffentlichte er gemeinsam mit Bird Berlin die Gedichtsammlung „Bitterhonig & Der Klang des Taumelns“. 2017 folgte mit „Nach dem Autoscooter links – Erzählungen“ und mit „Die Knittrigen“ weitere Veröffentlichungen.

www.facebook.com/iamkrupski
www.instagram.com/krupski_krupski
www.krupskishop.bigcartel.com

Bei der Veranstaltung gilt im Innenraum, die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske! Die Inzidenzen sind immer noch hoch – bitte testet euch vorher.

Beginn: 20:00

Ort: JUZ Bamberg, Margaretendamm 12a

Eintritt/Zugang: frei, Spende is ok

Donnerstag, 10.02.2022 Julia Ingold: Weibliche Selbstermächtigung in der deutschsprachigen Lyrik von Else Lasker-Schüler bis Schwesta Ewa

Aus weiblicher Perspektive stellen sich Kultur und Politik anders dar, als sie sich in Geschichtsbüchern niederschlagen. Die weibliche Stimme ist eine prekäre. Insofern es sie überhaupt gibt, wird sie nicht gehört und sie verfliegt, anstatt in einen Kanon einzugehen. Das Motiv der Prostituierten in der Literatur etablierte sich, während sich das kapitalistische Wirtschaftssystem im 19. Jahrhundert festigte. Die Prostituierte als literarische Figur wurde zur ultimativen Allegorie des Warenfetischismus. Die Stimme der Prostituierten in der kapitalistischen Realität ist selbst subaltern und machtlos. Egal wie sie dargestellt werden, solange sie nicht für sich selbst sprechen, sind Frauen sprachlose Objekte in den »Klassikern« männlicher Autoren. Mit der aufkommenden und erstarkenden Frauenbewegung mehren sich die weiblichen Stimmen im Literaturbetrieb. Und die subalterne, promiskuitive bis prostituierte Frau beginnt für sich selbst zu sprechen. Die Spur der emanzipierten und emanzipatorischen weiblichen Stimme lässt sich bis heute verfolgen. Die als problematisch geltende Rapperin und ehemalige Prostituierte Schwesta Ewa dreht den Spieß allerdings um. Sie spricht nicht mehr nur für sich, sondern versteht sich als Sprachrohr der Unterklasse.

Julia Ingold ist Literaturwissenschaftlerin an der Uni Bamberg. Ihre Doktorarbeit hat sie über die deutsch-jüdische Avantgarde-Künstlerin Else Lasker-Schüler geschrieben. Ansonsten beschäftigt sie sich mit Comics, Popmusik und Literaturtheorie.

Link: https://uni-bamberg.zoom.us/j/95941800585

Beginn: 20:00

Eintritt/Zugang: frei